Daniel Hölzl, Andreas von Ow, Sinta Werner und Andrea Wilmsen teilen ein Interesse an der Vielfalt der Wahrnehmung von Raum und Zeit. Mittels Fotografie, Malerei, Arbeiten auf Glas oder installativen Werken reflektieren sie über das Sehen, Spüren und Erleben von Welt. Letzteres ist von vielen Faktoren geprägt: von der Art, wie das menschliche Auge funktioniert, von eingeübten Bewegungsabläufen, vom Einfluss analoger wie digitaler Bilder, von Zeitempfinden, Erinnerungen und vielem mehr. Indem die Kunstschaffenden diese vielfältigen Aspekte aufgreifen und verfremden, lassen sie über gewohnte Muster der Wahrnehmung nachdenken.

Andrea Wilmsen fokussiert mit ihrer Werkserie B.ODE auf selten beachtete Raumausschnitte im musealen Kontext. Heizkörper, Temperaturfühler und Gewölbeteile geraten in den Vordergrund und stellen heraus, inwiefern die Erfahrung von Raum mit dem jeweiligen Umfeld zusammenhängt. Sinta Werner beschäftigt sich mit grundlegenden Parametern des menschlichen Sehapparates: Mittels Spiegelungen, Verschiebungen und Verdoppelungen macht die Künstlerin deutlich, dass das Sehen bei aller Komplexität auch einfachen – und ebenso einfach zu täuschenden – geometrischen Grundsätzen unterliegt. Andreas von Ow geht in seiner Arbeit der Möglichkeit nach, dem Erleben konkreter Orte eine materielle Form vermittels Farbe zu geben. Dazu werden beispielsweise ortsspezifische Farbstoffe – etwa Blüten, Beeren oder Staubpartikel – über einen längeren Zeitraum gesammelt und verarbeitet. Von Ows Arbeiten werden damit zu feinteiligen Speichern von Erlebnissen. Daniel Hölzl untersucht weitere, auch technische Rahmenbedingungen für die Erfahrung von Raum und Zeit. Seine Installation bezieht sich auf das Tempelhofer Flugfeld und die (Luft-)Fahrzeuge, die dessen Geschichte prägen. Schnelligkeit, Leichtigkeit, Schwere, Trägheit, Zeit und Bewegung: Diese Aspekte werden gleichermaßen aufgerufen und zueinander ins Verhältnis gesetzt.

Wie kann man dem Empfinden von Zeit und Raum eine materielle Form verleihen? Dieser Prozess der Übersetzung ist eines der wesentlichen Anliegen der ausstellenden Künstler_innen. Dabei wird mit jeder Suche nach möglichen Ausdrucksformen eine neue Perspektive auf die Komplexität und Mannigfaltigkeit menschlicher Wahrnehmung eröffnet.