Die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra ist mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt geworden. Ihre Bilder wirken ehrlich und unverstellt. Besondere Prominenz erreichte ihre Serie „Beach“ (1992–1996), in der sie Jugendliche in Badekleidung am Strand fotografierte. Sie zeigt junge Menschen in Lebensabschnitten, die von Veränderungen geprägt sind. Die Unsicherheit über das eigene „Ich“ ist sichtbar und noch kaum hinter eingeübten Posen verborgen.

Mit der Ausstellung ihrer Arbeit „The Gymschool, St. Petersburg“ in der Reihe „Sculpture 21st“ wirft das Lehmbruck Museum, einen neuen Blick auf das Werk der Künstlerin. In diesem Video führt uns Dijkstra in ihrer typischen intensiven und eindrucksvollen Bildsprache junge Mädchen bei ihren Turnübungen vor. Visuell isoliert erscheinen die Kinder im Moment versunken. Unverstellt und ungekünstelt entwickeln Dijkstras Bilder eine stilbildende Kraft und bleiben uns im Gedächtnis. Die vorgeführte unfassbare Formbarkeit des menschlichen Körpers offenbart zugleich die Wesenszüge des Skulpturalen. 

Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014 wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer*innen der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal (2014), Antony Gormley (2014), Eija-Liisa Ahtila (2015), Xu Bing (2018) und Julian Opie (2019), präsentieren in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und unternehmen damit eine Positionsbestimmung zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft.