Ab dem 28. März 2021 zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz die große Retrospektive Soulages. Malerei 1946–2019 zu Ehren des französischen Jahrhundertkünstlers. Pierre Soulages gilt als der bedeutendste noch lebende Maler in Frankreich und gehört dort neben Hans Hartung zu den Hauptvertretern der abstrakten Kunst. Ende 2019 wurde ihm anlässlich seines 100. Geburtstags eine große Ausstellung im Pariser Musée du Louvre eingerichtet, für die er eigens großformatige Werke geschaffen hat. Die Präsenz dieser neuen Bilder in den Kunstsammlungen Chemnitz neben Werken der vergangenen acht Dekaden unterstreicht nicht nur, dass sich Pierre Soulages zu einem der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, sie betonen auch die Relevanz, die seine Schaffenskraft heute noch für die Gegenwartskunst besitzt.

Seine ersten Erfolge feierte der französische Maler in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland, wo 1948/49 eine berühmte Wanderausstellung zur abstrakten französischen Malerei den vom Nationalsozialismus geprägten Deutschen eine andere, selbstbestimmtere und freiere Form der Kunst präsentierte. Frei von narrativen oder figurativen Elementen, zeugt Soulages‘ Malerei bereits seit den 1940er Jahren von seinem Interesse am freien Spiel der Formen, die er farblich zurückhaltend, häufig in Schwarz oder in Nussbeize, mit einer hohen gestischen Kraft malte. Soulages‘ Kunst repräsentiert nicht. Sie steht als Kunst für sich in der jeweiligen Gegenwart ihrer Wahrnehmung, nicht als historisches Zeugnis oder Bedeutungsträger von bestimmten Ideen. »Ich schildere nicht. Ich erzähle nicht. Ich repräsentiere nicht«, sagt Soulages, »ich male, ich zeige.«

Während seine Kunst bis zum Ende der 1970er Jahre informelle Züge aufweist, entwickelt er seit 1979 die Malerei weiter in Richtung der monochrom-schwarz gehaltenen Outrenoir-Bilder, also Bilder »jenseits von Schwarz«. Durch einen äußerst pastosen schwarzen Farbauftrag integriert er Lichtreflexe in seine Malerei. Das natürliche Licht wird nicht etwa wiedergegeben, sondern als elementarer Teil des Werkes begriffen. Die sich stets ändernden Lichtverhältnisse bei unterschiedlichen Betrachterstandpunkten tragen dazu bei, dass Soulages‘ Bilder nie »zu Ende gesehen« werden können, sondern lebendig und unerschöpflich bleiben.

Die Ausstellung zeigt mit über 50 Gemälden und Arbeiten auf Papier einen umfassenden Überblick von den 1940er Jahren bis in die Gegenwart und ist die erste große Ausstellung des Künstlers außerhalb Frankreichs seit zehn Jahren. Zahlreiche Leihgaben aus deutschen wie auch internationalen Museen geben einen beeindruckenden Einblick in das Lebenswerk des Malers.

Alfred Pacquement, bester Kenner seines Œuvres und ehemaliger Direktor des Centre Pompidou in Paris, und Udo Kittelmann, ehemaliger Direktor der Nationalgalerie Berlin und neuer Direktor des Museum Frieder Burda, konzipierten die Ausstellung. Sie entstand in enger Abstimmung mit dem Künstler und wurde in Kooperation zwischen den Kunstsammlungen Chemnitz und dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden, entwickelt. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Exzellenz Anne-Marie Descôtes, Botschafterin der Republik Frankreich in Deutschland.

»Wir sind sehr glücklich, trotz der schwierigen Umstände diese Ausstellung mit internationaler Ausstrahlung zu einem der wichtigsten Maler der Gegenwart jetzt in Chemnitz eröffnen zu können«, sagt Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz. »Soulages gehört zu den weltweit prägenden Künstlern des 20. Jahrhunderts, der nach wie vor eine ungeheure Relevanz aufgrund der künstlerischen Stringenz und der hohen ästhetischen Kraft seiner Bilder hat. Man muss sie vor Ort im Original erfahren.«

Anlässlich der Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Illustrationen und Texten in der Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft erschienen. Es gibt ein Begleitprogramm mit Filmen und Vorträgen von Dr. Marie-Amélie zu Salm- Salm, Prof. Dr. Erich Franz und Prof. Dr. Robert Fleck in den Kunstsammlungen Chemnitz. Parallel zur Ausstellung Soulages. Malerei 1946–2019 zeigen die Kunstsammlungen am Theaterplatz eine Auswahl von Malerei des Informel und der konkreten Kunst aus dem eigenen Bestand. Das Museum Gunzenhauser präsentiert zeitgleich eine Retrospektive zu Serge Poliakoff, einem Pariser Künstlerkollegen von Pierre Soulages und wichtigen Künstler der internationalen Nachkriegsmoderne in der Sammlung Gunzenhauser.


Öffnungszeiten:
Dienstag:11:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 14:00 - 21:00 Uhr
Donnerstag - Sonntag (Feiertage): 11:00 - 18:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstsammlungen-chemnitz.de

28.03. - 27.06.2021

Soulages: Malerei 1946–2019

Kunstsammlungen Chemnitz – Kunstsammlungen am Theaterplatz

Theaterplatz 1
09111 Chemnitz