Im Sommer 2021 wird der Westfälische Kunstverein eine Einzelausstellung der in New York lebenden, sizilianischen Künstlerin Maria Domenica Rapicavoli (*1976 in Catania) realisieren. Herzstück der Ausstellung wird eine neue umfangreiche Videoarbeit sein, die mitsamt einer zugehörigen skulpturalen Installation den gesamten Ausstellungsraum bespielen wird.

Maria D. Rapicavoli lebt seit 2011 in New York, mit nach wie vor engen Bindungen an Sizilien und Europa, die ihr einen besonderen Blick auf die politischen, wirtschaftlichen, militärischen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Sizilien/Italien ermöglichen. Sizilien war immer ein strategischer Ort für militärische Operationen der USA: im Juli 1943 landeten hier die ersten Westalliierten und begannen mit der Invasion Italiens. Und heute noch spielt die Militärbasis Sigonella auf Sizilien eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Verteidigung, können doch von hier Drohnenangriffe in Nordafrika gesteuert werden. In Niscemi auf Sizilien wird derzeit der Bau eines M.U.O.S. (Mobile User Objective System) fertig gestellt: ein riesiger Satellit, der auf Ultrahochfrequenz die Kommunikation zwischen (vor allem US-amerikanischen) Drohnen ermöglicht.

Immer wieder widmet sich Maria D. Rapicavoli der Verquickung von persönlichem Schicksal inmitten größerer politischer und ökonomischer Zusammenhänge, so auch in ihrem neuesten Projekt „The Other: a familiar story“, das sie in Münster präsentieren wird. Hierin beschäftigt sie sich mit dem Thema der Migration an einem Beispiel aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Ausgehend von einer wahren Geschichte dreht sich die Erzählung um eine Frau namens Mena, die mit der Familie Rapicavoli verwandtist und ihrem Mann Anfang des 20. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten folgen musste. Die Geschichte, die von der Großmutter und dann von der Mutter der Künstlerin mündlich überliefert wurde, wird Gegenstand einer Arbeit über die historischen und persönlichen Erinnerungen sowie die Rolle der Vorstellungskraft als Fluchtweg aus einem einengenden Lebenskontext sein. Die Künstlerin wird Menas Reise durch die verschiedenen physischen und mentalen Stationen verfolgen und dabei gleichzeitig die Geschichte des patriarchal organisierten Gesellschaft und der italienischen Migration in einem poetischen und zeitlosen Tonfall erzählen.