Im Werk des in Krefeld geborenen Künstlers, das neben Zeichnung und Skulptur auch Environments, Happenings oder politische Aktionen umfasst, nimmt das Plakat eine herausragende Rolle ein. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation hat Joseph Beuys (1921 – 1986) schon früh die Möglichkeiten und die Strahlkraft dieses Mediums erkannt. Neben Multiples und Editionen stellten für ihn diese modernen Druckerzeugnisse ein willkommenes „Vehikel“ dar, um seine künstlerischen Vorstellungen einer „Sozialen Plastik“ und seine gesellschaftspolitischen Utopien auch in kunstferne Gesellschaftsgruppen hineinzutragen.

Der Gestaltung der Plakate für Ausstellungen und (politische) Aktionen, die oftmals in Zusammenarbeit mit künstlerischen Weggefährten entstanden, widmete der Künstler stets große Aufmerksamkeit. Neben Werkabbildungen liegt den Entwürfen häufig eine Fotografie zugrunde, die Joseph Beuys als charismatischen Denker und Redner in Aktion zeigt. Durch die Signatur und das Hinzufügen eines oder mehrerer seiner charakteristischen Stempel (Braunkreuz, Hauptstrom) sind der Künstler und seine Ideen gleichsam in diesen Werken präsent. Die Plakate werden auf diese Weise autorisiert und dem künstlerischen Gesamtwerk hinzugefügt. Über den dokumentarischen Wert der Plakate hinaus gelang es dem „Künstler mit dem Hut“, sich mit dieser Strategie als Leitfigur eines neuen Denkens zu etablieren.

Die ausgewählten Plakate und Kleinschriften aus den 1970er- und 1980er-Jahren vermitteln einen umfassenden Einblick in das Werk von Joseph Beuys. Sie zeigen eine Künstlerpersönlichkeit, die ständig in Bewegung war und sich als Impulsgeber verstand, der als „Sender“ im Rahmen von Reden und Vorträgen unermüdlich sein Modell einer zukunftsfähigen Gesellschaft formulierte und zur Diskussion stellte. Die ausgestellten Kommunikationsmedien dokumentieren u. a. so wichtige Ereignisse wie die Gründung der „Deutschen Studentenpartei“ (DSP) im Jahr 1967 oder die Bundestagskandidaturen für die „Aktionsgemeinschaft unabhängiger Deutscher“ (1976) sowie die „Grünen“ (1983). Beuys‘ visionäre Ideen manifestieren sich besonders in den vielfältigen Aktivitäten der 1973 gegründeten Free International University (FIU).

Ergänzt wird die Schau durch die Präsentation des Kurzfilms „Beuys“ (1980) von Werner Nekes (1944 – 2017) und Dore O. (*1946). Im Januar 1981 am Mülheimer Kassenberg gedreht, verweist dieser Film eindrücklich auf Beuys‘ Verbindungen zu diesen wegweisenden Erneuerern des Films.

Mit der Ausstellung zeigt das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr erstmals einen repräsentativen Ausschnitt aus dem umfangreichen Werkkomplex an Beuys-Plakaten und Kleinschriften, den der Förderkreis für das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr e. V. im Jahr 2019 vom Medizinhistoriker Prof. Dr. Axel Hinrich Murken für die städtische Sammlung erworben hat. Als Freund, Interpret und Autor des Werkes „Beuys und die Medizin“ begleitete er den Künstler von 1968 bis zu dessen Tod im Jahr 1986. Mit dieser Neuerwerbung setzt der Förderkreis einen starken Akzent für die Weiterentwicklung der grafischen Sammlung und der Kunst nach 1945.

Für den Besuch der Ausstellung ist eine vorherige Terminvereinbarung unter Telefon: 0208-4 55 41-71 bzw. -38 oder E-Mail: kunstmuseum@muelheim-ruhr.de erforderlich.