Im Mittelpunkt der Ausstellung „Language for Sale“ steht die zunehmende Verbreitung von Nonsens-Sprache als Symptom gesellschaftlicher Umbruchsituationen. Rhetorik war schon immer ein problematisches performatives Genre: Sie kann Menschen inspirieren, überzeugen, aber auch beeinflussen. Die Kultur der politischen Rede erfährt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Offen geführte Debatten und komplexere Argumentationen gehen zurück, die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen sinkt, Misstrauen gegenüber Politik und Journalismus breiten sich aus und ideologische Bekenntnisse und Hate Speech in den Sozialen Medien nehmen zu. Diese Veränderungen gipfeln in der rhetorisch eingesetzten Lüge, die von einer heimlich genutzten Waffe zum offen eingesetzten Propagandainstrument geworden ist.

An dieses eigentlich sehr ernste Thema gehen die Künstlerinnen und Künstler der Gruppenausstellung jedoch mit Humor heran, allen voran Kim Schoen, deren erstmals gezeigte Arbeit „Baragouin“ (= französisches Wort für „unverständliches Kauderwelsch“) den Impuls für „Language for Sale“ gab. In „Baragouin“ gibt die Künstlerin Objekten eine Stimme, die sie in einem Skulpturengeschäft in Los Angeles filmte. Bei diesen Objekten handelt es sich um Nachbildungen von Skulpturen, deren Ursprünge vom Buddhismus über das Rokoko und den Neoklassizismus bis zur Moderne reichen. Schoen geht von der Hypothese aus, dass der internationale Handel eine eigene Lingua franca (=Verkehrssprache) hervorbringt, und inszeniert eine „Nonsens-Oper“, in der die kopierten Skulpturen in Stimmen zu „reden“ scheinen, die auf die Herkunft ihrer vermutlichen Originale verweisen.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung: Harun Farocki, Nicoline van Harskamp, Stefan Panhans, Elemér Ragály, Peter Rose, Kim Schoen, John Smith.