Die Ausstellung „Focus Ukraine“ entstand in Kooperation mit „Peace for Art“, einer Stiftung mit Sitz in Frankreich, welche nach dem Beginn des Krieges gegründet wurde, um Kunstschaffende und Kultur in der Ukraine zu fördern und zu schützen. 

Dokumentarisch wie künstlerisch brillant zugleich 
Im Fokus der Ausstellung stehen drei Positionen aktueller künstlerischer Fotografie aus der Ukraine. Mit klarem, unverstelltem Blick und in großer atmosphärischer Dichte erscheinen die Werke aller drei Beteiligten dokumentarisch wie künstlerisch brillant zugleich. Die existenzielle Bedrohung des durch die kriegerische russische Aggression angegriffenen Landes zeigt sich in ihren Fotografien genauso wie Schilderungen von Armut, Isolation, und sozialer Not. Sämtliche hier gezeigten Fotografien wurden eigens für die Ausstellung neu produziert. 

Enninger: „Aktiver städtischer Beitrag zur Unterstützung“ 
Kulturreferent Jürgen K. Enninger: „Ich freue mich, dass damit über die Kunstsammlungen und Museen ein aktiver städtischer Beitrag zur Unterstützung gegenwärtiger ukrainischer Kultur geleistet wird.“ Dank gelte allen am Projekt Beteiligten, besonders den ‚Peace for Art‘-Gründerinnen Cornélia Schmidmayr und Ivanna Bogdanova-Ber-trand, sowie den teilnehmenden Künstlern. 

Sergey Melnitchenko 
So reflektiert Sergey Melnitchenko (*1991 Mykolayiv) in seinen Werkserien „Young and free?“ und „Young and free“ Verhältnisse zwischenmenschlicher Einsamkeit, Inti-mität und traumatisch bedrückender Empfindungen, die er in theatralisch inszenier-ten Bildkompositionen nackter – männlicher – Personen den Betrachtenden als schutzlose Individuen existenziell auf sich selbst zurückgeworfen wie in einem Büh-nenraum präsentiert. Neben den realen Bedrohungen des Krieges spielen Fragen nach dem Vorhandensein und den vielfältigen Einschränkungen von Freiheit eine wichtige Rolle in seinem künstlerischen Entwurf, in dem sich u.a. Vereinsamungspro-zesse durch das Internet und nicht zuletzt die Folgen der Corona-Pandemie spie-geln. 

Viktoria Sorochinski 
Demgegenüber zeigen die erzählerischen Porträts von Viktoria Sorochinski (*1979 Mariupol) Menschen in ihren persönlichen Umgebungen, Häusern, Dörfern in der Uk-raine. In ihrer Langzeitserie „Lands of no Return“ suchte sie dafür immer wieder Per-sonen in ländlichen Gemeinschaften, meist in der Gegend um Kiew auf. Denn dort lebte ihre Urgroßmutter und ihr Großvater, der selbst als Künstler und Fotograf tätig war. Bevor diese Dörfer womöglich vollständig verschwinden, portraitierte Sorochin-ski über ca. 10 Jahre hinweg das Leben der immer älter werdenden Bewohnenden. Junge Bevölkerung gibt es hier kaum noch. Mit großer menschlicher Nähe ist so ein sehr persönliches Gesellschaftsbild ihres Landes in starken fotografischen Bildern entstanden. 

Alexander Chekmenev 
Der in Kiew lebende Alexander Chekmenev (*1969 Luhansk) schließlich ist einer der international renommiertesten ukrainischen Fotografen. Seine Arbeit vereint Prinzi-pien einer klassisch-dokumentarischen Herangehensweise mit hohem künstlerischen Anspruch. Einen Schwerpunkt seines fotografischen Schaffens bildet seit vielen Jah-ren der Donbass, die große, durch die russische Aggression aktuell besonders be-drohte Region, in der seit dem 18. Jahrhundert Kohle abgebaut wird. Sensibel und prägnant dokumentiert Chekmenev das karge, mühevolle Leben der Kohlearbeiter und ihrer Familien und widmet sich damit in eindrucksvollen fotografischen Bildern einem zentralen Bereich der Seele seines Landes.