Act Like You Know Me ist die erste umfassende Einzelausstellung der Künstlerin Pippa Garner in Europa, die einen notwendigerweise fragmentarischen Einblick in ein umfangreiches Werk bietet, das mehr als 50 Jahre Produktion umfasst. Die 1942 in einem Chicagoer Vorort geborene US-amerikanische Künstlerin und Autorin, die früher unter dem Namen Philip Garner lebte, wehrt sich gegen Systeme des Konsums, des Marketings und der Verschwendung, und hat in ihrer langen Karriere ein dichtes Werk geschaffen, das Zeichnung, Performance, Skulptur, Video und Installation umfasst. Ihre kompromisslose Herangehensweise an das Leben und die künstlerische Praxis hat es ihr ermöglicht, mit den Bereichen Illustration, Editorial, Fernsehen und Kunst zu interagieren, ohne sich ihnen je ganz zu verschreiben.

Nachdem sie in den 1960er Jahren eingezogen wurde und als Combat Artist der US-Armee im Vietnamkrieg gedient hatte, nahm Garner ihr Studium am renommierten Department für Transportation Design am ArtCenter in Kalifornien wieder auf und plante, Automobildesignerin zu werden. Zu ihrem Umfeld gehörten in den 1970er und 1980er Jahren u. a. Ed Ruscha, Chris Burden sowie das radikale Kunst- und Designkollektiv Ant Farm. Die Malerin Nancy Reese – zugleich Garners künstlerische und romantische Partnerin – brachte sie in Kontakt mit der zeitgenössischen Kunstszene. In diesen Kreisen sah Garner erstmals die Möglichkeit sich selbst als Künstlerin zu begreifen. Damals noch als Philip bekannt, erlangte Garner Aufmerksamkeit für ihre Performance-, Design- und Videoarbeiten in Galerien und Museen sowie für ihre Illustrationen in Magazinen und Auftritte in Talkshows.

Mitte der 1980er begann Garner einen jahrelangen Prozess der Feminisierung, der eine Hormontherapie und schließlich eine geschlechtsangleichende Operation umfasste. Als konsequente Weiterführung ihrer Praxis, Materialien der Massenproduktion zu verändern, demonstriert Garners Umgang mit der Geschlechtsumwandlung ihre Art, alltägliche Objekte zu queeren. Als sie mit der Hormontherapie begann, gab es noch kein weit verbreitetes Konzept für die Zwischenstufen des Geschlechts. Wie die Autorin und Co-Kuratorin der Ausstellung Fiona Alison Duncan es formuliert: „In Pippa Garners Arbeit geht es um einen offenen Geschlechterbegriff und Geschlecht als Ware; man kann den Körper nach Belieben modifizieren, innen und außen, solange man es sich leisten kann.“

Act Like You Know Me bietet einen Überblick über Garners umfangreiche Fotografien, die sowohl den Status von autonomen Werken als auch der Dokumentationen ihrer Praxis haben. Die meisten von Garners Kunstobjekte wurden wiederverwendet, recycelt, verschenkt oder gingen verloren, sodass diese Fotografien die zentralen verbleibenden Elemente des Werks bilden.

Die Ausstellung ist anschließend von Februar bis Mai 2023 in der Kunsthalle Zürich zu sehen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
An Feiertagen geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: https://www.kunstverein-muenchen.de