Anlässlich einer großen Schenkung zeigt die Hamburger Kunsthalle eine Auswahl von 75 Werken aus ihrem reichen Bestand von mehr als 100 Arbeiten des Berliner Malers, Zeichners und Graphikers Walter Gramatté (1897-1929), dessen Œuvre sich ab den 1920er Jahren stilistisch zwischen dem Expressionismus, dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus bewegt. Das künstlerische Œuvre Gramattés aus einer kurzen, nur rund zehn Jahre andauernden Wirkungszeit, lässt sich diesen Strömungen nicht eindeutig zuordnen und verleiht ihm dadurch eine eigenständige Originalität. Zu sehen sind Porträts und Selbstporträts sowie Landschaftsbilder und symbolische Werke, die häufig von Gramattés Erfahrungen im Ersten Weltkrieg und seinem seit 1918 stark beeinträchtigten Gesundheitszustand geprägt sind. Die Arbeiten entstanden in Berlin, Barcelona, an der Ostseeküste bei Ahrenshoop sowie auf der Insel Hiddensee und in Hamburg. Mit der Hansestadt verband Gramatté viel. Er besuchte sie ab 1920 häufig zusammen mit seiner Frau, der Komponistin Sonia Fridmann-Gramatté (1898–1974). Sie knüpften hier enge Kontakte zur Kunstszene, unter anderem zu der Kunsthistorikerin Rosa Schapire (1874–1945), die ihn ebenso förderte wie die Hamburger Sammler Martha (1869-1958) und Paul Rauert (1863-1938) sowie Paul Sudeck (1866-1945), der ihn als Arzt im Eppendorfer Klinikum behandelte. Hamburg ist auch der Ort, wo Walter Gramatté im Februar 1929 an den Folgen seiner Kriegsverletzungen und einer Darmtuberkulose mit nur 32 Jahren verstarb. 

Im Jahr 2019 erhielt die Hamburger Kunsthalle von der Eckhardt-Gramatté Foundation im kanadischen Winnipeg – gegründet von Ferdinand Eckhardt, dem zweiten Ehemann der Witwe Walter Gramattés – 47 graphische Arbeiten des Künstlers sowie ein Landschaftsgemälde als großzügige Schenkung. Ein paar Jahre zuvor – 2016 – konnte mit dem Bildnis Rosa Schapire (von 1920) eine frühe wichtige Aquarellarbeit mit Unterstützung der Freunde der Kunsthalle e. V. erstanden werden. Aber auch schon zu Lebzeiten des Künstlers erwarb die Kunsthalle ab 1920 bei den renommiertesten Hamburger Galerien unter dem damaligen Direktor Gustav Pauli Zeichnungen und Druckgraphik von Gramatté: Bei der noch heute existierenden Galerie Commeter, dem Kunstsalon Maria Kunde sowie direkt vom Künstler und später bei seiner Witwe. Nachdem der Kunstverein 1926 und 1932 Arbeiten von Gramatté ausgestellt hatte widmete die Kunsthalle dem Künstler noch im Frühjahr 1933 – vier Jahre nach seinem frühen Tod – eine erste mono-graphische Museumsausstellung. Diese wird im Rahmen der jetzigen Präsentation im Harzen-Kabinett der Hamburger Kunsthalle erstmals dokumentiert. Die Zeichnungen und zahlreichen Graphiken Gramattés konnten trotz der Verfemung des Künstlers in der Zeit des Nationalsozialismus sicher in der Sammlung des Kupferstichkabinetts bewahrt werden. Walter Gramatté ist ein Künstler der »verschollenen Generation« der Geburtsjahrgänge zwischen 1890 und 1914, deren Werk erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs in ihrer kunsthistorischen Bedeutung wieder erkannt und gewürdigt wurden.

Finanziert von den Freunden der Kunsthalle e. V. ist begleitend zur Ausstellung im Harzen-Kabinett eine Publikation in der Serie «Kleine Reihe« erschienen. Neben der Zusammenstellung des Hamburger Bestan-des an Walter Gramatté-Werken wird ein Einblick in Gramattés Verständnis von Landschaft und Figur, seine persönlichen Beziehungen zu Hamburg sowie die Ausstellungen seiner Werke in der Hansestadt zwischen 1920 und 1933 beleuchtet. Die Publikation (12,90 EURO) ist unter www.freunde-der-kunsthalle.de und im Museumsshop und erhältlich. Der umfangreiche Sammlungsbestand – im Bereich der Graphik sicher einer der umfangreichsten in Deutschland – ist in seiner Gesamtheit auch online in der Datenbank der Kunsthalle einsehbar.