„Durch Kosmos weben versuche ich, die kulturelle Bedeutung des Webens – über Materialien und Technik hinaus – zu verstehen. Das ist tief mit den Herausforderungen unserer Zeit verbunden, mit Fragen von Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und Spiritualität. Zum Beispiel: Was kann die heilende Funktion von Objekten sein?“ – Hella Jongerius

Seit drei Jahrzehnten beschäftigt sich die Künstlerin und Industriedesignerin Hella Jongerius mit dringlichen Themen wie nachhaltiger Innovation, verantwortungsvoller Produktion und gesellschaftlicher Regeneration. Die Einzelausstellung Kosmos webenim Gropius Bau ermöglicht Besucher*innen vom 29. April bis 5. September 2021 eindrucksvolle Einblicke in Jongerius’ Werk, das ihre wegweisende Position im Bereich Design und angewandter Kunst mit künstlerischen Strategien verbindet. 

Als ausgebildete Industriedesignerin stellt Jongerius wesentliche Fragen: Wie können wir mithilfe traditionellen Handwerks eine nachhaltige Zukunft gestalten? Wie können Objekte genutzt werden, um zu heilen, zu inspirieren und zu verbinden? Jongerius’ Installationen konzentrieren sich häufig auf die kulturellen, wirtschaftlichen, technischen und philosophischen Aspekte von Textilien und Weberei und betonen offene Produktionsprozesse stärker als finale Ergebnisse. Kosmos weben entstand in einer seit Herbst 2020 andauernden Beschäftigung mit dem Gropius Bau und zeigt neue Arbeiten sowie eine partizipative Installation, die sich im Laufe der Einzelausstellung weiterentwickeln wird.

Im Zentrum von Jongerius’ Schaffen steht die Verbindung von Handwerk und Industrie sowie das reparative Potenzial des Herstellens. Ihre Forschungen zu traditionellen Kulturtechniken wie dem Weben eröffnen dringend benötigte Perspektiven auf zukunftsweisende Fragen der Verantwortung und Nachhaltigkeit. Kosmos weben basiert auf Jongerius’ Erfahrungen, die sie innerhalb der letzten 25 Jahre durch die Beschäftigung mit Textilien sammelte, und wurzelt in einer individuellen Philosophie, die Design, Nachhaltigkeit und Spiritualität miteinander verwebt. Durch ihre ergebnisoffenen und ortsbezogenen Interventionen fordert uns Jongerius auf, unsere Beziehung zu Objekten, der Welt und zueinander zu überdenken.

Die Ausstellung Kosmos weben ist das Ergebnis gemeinsamen Forschens mit dem Berliner Designteam Jongeriuslab, welches in den Monaten vor der Ausstellungseröffnung täglich im Gropius Bau an neuen Werken arbeitet. In den Räumen des Ausstellungshauses entwickelt Jongerius aktuell eine Reihe von Installationen – darunter einen Webstuhl für dreidimensionales Weben, eine synergetische Methode des Garnspinnens und gewebte Strukturen, die als architektonische Elemente im Raum fungieren. 

Die Ausstellung ist zudem eng mit der Geschichte des Gropius Bau verflochten, der einst als Kunstgewerbemuseum und -schule eigene Werkstätten beherbergte – ein Ort also, an dem verschiedene Disziplinen gebündelt wurden. Jongerius knüpft an diese Geschichte an, indem sie ihr Designstudio Jongeriuslab temporär in den Gropius Bau verlegt und so den Ort und seine Vergangenheit in ihr Schaffen miteinbezieht. 

Über Hella Jongerius

Hella Jongerius (*1963, Niederlande) ist eine der weltweit führenden Designerinnen. Sie ist bekannt für ihre forschungsorientierte Herangehensweise, in der sie Prozesse der handwerklichen und industriellen Produktion in einer dynamischen Verbindung nutzt. Diese verleiht ihren industriell gefertigten Objekten Unvollkommenheit, Sensibilität und Charakter. Seit der Gründung ihres Designstudios Jongeriuslab im Jahr 1993 wurde sie von Unternehmen wie Vitra und Maharam für Designprojekte beauftragt und entwickelte die Inneneinrichtung der Delegierten-Lounge des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in New York sowie die Kabineneinrichtung der niederländischen Fluggesellschaft KLM. Zudem initiierte sie zahlreiche unabhängige Ausstellungsprojekte, wie etwa im Design Museum London (2017), der Pinakothek der Moderne in München (2017–18), dem Nationalmuseum Stockholm (2019–20) und bei Lafayette Anticipations in Paris (2019). Jongerius’ Arbeiten befinden sich unter anderem in den ständigen Sammlungen des MoMA, New York, des Centre Pompidou, Paris, des Victoria and Albert Museum, London, und des Stedelijk Museum, Amsterdam. Seit 2009 lebt und arbeitet sie in Berlin.

Die Ausstellung Hella Jongerius: Kosmos weben wird kuratiert von Stephanie Rosenthal mit Clara Meister

Wir hoffen, dass die Ausstellung und das begleitende Programm wie geplant stattfinden können. Durch Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie können jedoch einige Änderungen notwendig werden.