Ab 4. Dezember zeigt die Kunsthalle Schweinfurt mit Volker Stelzmann einen Klassiker der figürlichen Malerei in Deutschland. Durchdachte Kompositionen von den Gesten einzelner Personen bis hin zu großen Figurengruppen drängender Fülle charakterisieren Stelzmanns Kunst. Hauptthema des Wahlberliners ist die Figur und ihre Form, der Mensch und seine Schicksale, das Individuum und die Gesellschaft; in allen positiven wie negativen Facetten. Die umfangreiche Werkschau will auch als eine Hommage an den Künstler verstanden werden, der im November 2020 einen runden Geburtstag begannen hat.

Volker Stelzmann, geboren 1940, gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten figürlich arbeitenden Malern und Grafikern im deutschsprachigen Raum. Der Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bewegt sich auch im 80. Jahr seines Malerlebens konsequent zwischen seinem Atelier, das er Werkstatt nennt, und den Menschen in der Großstadt, die ihn tagtäglich inspirieren. Modelle braucht er deshalb nicht: Es sind die Randgestalten und unbequemen Typen seiner urbanen Lebenswelt, die ihn anregen, wie er selbst sagt.

Volker Stelzmann ist zudem bekannt dafür, seine Bildideen im beständigen Dialog mit künstlerischen Wahlverwandten aus den Epochen der Renaissance, des Manierismus und des Barocks zu entwickeln. Anlehnungen an italienische Meister wie Jacopo Pontormo oder Rosso Fiorentino lassen sich genauso entdecken, wie etwa an den weltberühmten Renaissancemeister Matthias Grünewald auf deutscher Seite. Dabei ist keine Nostalgie oder reine Verherrlichung vergangener Kunstepochen im Fokus: Vielmehr erkennt Stelzmann in den Verunsicherungen der Weltbilder, im Verhalten der Menschen gestern und den Situationen heute Parallelen, die sich in seinen Kompositionen widerspiegeln.

In Schweinfurt fügen sich der Künstler und seine Ausstellung damit in einen Kernbestand der Kunsthalle ein. Unter dem Titel „Individuum und Gesellschaft“ befasst sich ein großer Ausstellungsblock im Untergeschoss mit ähnlichen, auch politischen Themen wie Volker Stelzmann und deren vielfältigen kreativen Ausdrucksformen. Als Grenzgänger, der langjährig auch in der ehemaligen DDR als Künstler aktiv war, dann aber in Westberlin lebte, ist Stelzmann Teil des künstlerischen Ost-West-Dialogs, den die Kunsthalle ebenso im Untergeschoss anstrebt.

Die Schweinfurter Schau stellt nun auch dezidiert Stelzmanns Zeichnungen und Druckgraphik in den Fokus. Während sich die Große Halle der Kunsthalle nämlich seiner Malerei widmet, bietet die Galerie im Quadrat als zweiter Ort der Ausstellung einen passend intimen Rahmen für das weniger gezeigte zeichnerische und druckgraphische Schaffen des Künstlers. Wirbelnde Figuren, große Themen und ein virtuoser Zeichenstil ziehen die Betrachter in den Bann des dynamischen Geschehens. Manche Radierungen mit kunsthistorischen Verweisen lassen besonders tief in Stelzmanns künstlerisches Wahlumfeld der Alten Meister blicken.

Die Sparkassengalerie Schweinfurt legt als dritter Ort der „Stadt - Werkstatt“ ihr Augenmerk auf Volker Stelzmanns vielsagende Stillleben und eindringliche Porträts. Scheinbar unbelebte Gegenstände verschmelzen in diesen Arbeiten zu symbolträchtigen und bewegenden Arrangements einer Welt, der die charakter- und typenstarken Porträts stimmungsvoll gegenüberstehen.

Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Angermuseum Erfurt und DIE GALERIE, Frankfurt a.M. entstand, ist vom 4. Dezember bis 28. Februar 2021 in der Kunsthalle Schweinfurt und in der Sparkassengalerie Schweinfurt zu sehen. Der reich bebilderte und fachlich umfangreiche Katalog zur Schau ist für 25 Euro im Museum zu haben.