Mit einer pointierten Auswahl verschiedenster Werkgruppen, vorwiegend aus den letzten fünf Jahren, gibt das Haus am Waldsee ab Mai 2022 einen vielseitigen Einblick ins Schaffen von Thomas Florschuetz. Der mit dem Dorothea-von-Stetten-Kunstpreis ausgezeichnete Künstler, außerdem Mitglied der Berliner Akademie der Künste, gilt als einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer Fotografie. Florschuetz‘ Werk umfasst zahlreiche, von sehr unterschiedlichen Sujets und Themen geprägte Serien. Die Auswahl seiner Bildinhalte ist oft durch eine das Gegensätzliche betonende Vorgehensweise gekennzeichnet. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf dem Blick und der Form der Umsetzung und weniger auf der inhaltlichen Wiedergabe. Das intuitive Moment bei der Erfassung der jeweiligen Bildgegenstände und Szenarien spielt dabei die wesentliche Rolle.

Thomas Florschuetz, geboren 1957 in Zwickau, entwickelt Projekte und Bildvorstellungen auf Grundlage seines Interesses an der ständigen Veränderung von Körpern und Räumen unter den Prämissen von Licht und Zeit. Seine Fotografien sind bildliche Ausschnitte jenes permanenten Wandels, an dem die authentischen Bedingungen des Mediums Fotografie stets mitwirken.

Zu seinen thematisch stringenten Werkgruppen gehören umfangreiche Serien von Porträts, etwa die „Selbstbilder” und „Körperstücke”, die um die Mitte der 1980er-Jahre entstehen und die der Künstler in den folgenden zehn Jahren weiterentwickelt. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre folgen Serien, wie die „Blumenstücke” und mit „Multiple Entry”, einer Langzeitbeobachtung eines Fensters in seiner damaligen Kreuzberger Atelierwohnung, eine Öffnung hin zu Elementen und Formen von Architektur sowie öffentlichen und urbanen Räumen. Daran anknüpfend entstehen vielbeachtete, meist großformatige Fotografien, die Versatzstücke von zum Teil weltbekannten Architekturen zeigen und als zentraler Ausgangspunkt der Ausstellung dienen. Vom ehemaligen Palast der Republik in Berlin über Bauten von Louis Kahn in Ahmedabad und La Jolla bis hin zu Gebäuden von Oscar Niemeyer in Brasília oder Le Corbusier in Chandigarh und Ahmedabad. In einer neueren Werkgruppe „Elephant’s Breath” setzt sich Florschuetz mit der Demontage des Ethnologischen Museums in Berlin-Dahlem auseinander. Jüngste Arbeiten befassen sich mit dem Sítio Roberto Burle Marx in der Nähe von Rio de Janeiro.

Das Faszinierende an der Fotografie ist für Florschuetz ihre Komplexität und damit ihre Fähigkeit, die Dinge zu erfassen, abzubilden und gleichzeitig über diesen rein abbildenden Aspekt hinauszuweisen. Ein und derselbe Gegenstand vermag es, bei jedem weiteren Blick seine Erscheinung zu verändern und sich auf neue Weise in unsere Vorstellung einzuprägen. Das zeigt etwa die seit 2013 entstandene Serie „Glas/Wasser”, in der wie schon bei den frühen Fensterbildern die permanente Veränderung und Erscheinung ein und desselben Gegenstandes in meist mehrteiligen Arbeiten untersucht wird. 

Zum Einsatz kommen verschiedenste künstlerische Strategien. Von der Auseinandersetzung mit Innen- und Außenraum, über Licht, Raum und Zeit sowie Bewegung, Fragmentierung und Verschränkung, bis hin zu ausgeklügelten Arrangements der Fotografien im Ausstellungsraum. Veränderung im Allgemeinen, formale Überlagerungen im Besonderen, dabei unentwegt formalästhetische Prozesse offen zu legen und neue Denkräume zu erschließen, bezeichnen wesentliche Kriterien der charakteristischen Arbeitsweise von Thomas Florschuetz. 


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: hausamwaldsee.de