Was geschieht, wenn man Fremdheit als zentrales Merkmal von Beziehungen betrachtet und dort verortet, wo man sie nicht erwartet: in Familien, zwischen Eltern und Kindern oder in uns selbst? Die Ausstellung „Someone Else. Die Fremdheit der Kinder“ widmet sich von Freitag, 25. März, bis Sonntag, 9. Oktober, im Freiburger Museum für Neue Kunst dieser und weiteren Fragen: Was bedeutet Fremdsein überhaupt? Und wie passt das in die Vorstellung von familiärer Beziehung, die das Vertraute zu verkörpern scheint? Arbeiten internationaler Kunstschaffender liefern mögliche Antworten.

Wir alle sind Kinder, jemandes Kind, ein Leben lang. Manche von uns sind selbst Eltern. Wir wachsen in unterschiedlichen familiären Konstellationen, kulturellen und sozialen Kontexten auf, die uns prägen. Wir sind Teil davon, ob wir wollen oder nicht. Trotzdem sind wir alle grundsätzlich verschieden, das trennt uns und macht uns fremd – auch Kinder und Eltern, Liebende und Freunde.

Die Ausstellung „Someone Else“ nimmt diese grundlegende und dauerhafte Fremdheit in den Blick und zeigt, dass sie kein Ergebnis von Entfremdung ist. Die Werke von internationalen Kunstschaffenden thematisieren, was Fremdheit für unser Zusammenleben, unsere Identität und unseren Umgang mit Fremden bedeutet. Erik Levine entdeckte nach dem Tod seines Vaters in dessen Nachlass Filmaufnahmen. Sie zeigen ihn als einen Unbekannten, der einen Großteil seines Lebens vor dem Sohn geheim gehalten hat. Jamie Diamond stellt für ihre vermeintlichen Familienporträts Gruppen fremder Menschen zusammen und spielt so mit der Erwartungshaltung der Betrachtenden. Was geschieht, wenn Eltern den Verlust ihres Kindes nicht annehmen können, behandelt Omer Fasts Film „Continuity“. Ein Paar inszeniert nach dem Tod des Sohns seine Wiederkehr mit wechselnden Akteuren.

„Someone Else. Die Fremdheit der Kinder“ ist eine Aktualisierung der gleichnamigen Ausstellung in der Landesgalerie Linz 2013. Kuratiert haben die Linzer Schau Leonhard Emmerling und Catherine Garet. In Freiburg waren die beiden bereits 2017 für die Ausstellung „Gutes Sterben – Falscher Tod“ tätig. Das aktuelle Ausstellungsprojekt ist in gemeinschaftlicher Arbeit entstanden: Neben Emmerling und Garet hat das gesamte Team des Museums – Christine Litz, Katharina Ehrl, Lisa Bauer-Zhao, Sarah Lorbeer und Isabel Herda – an der Ausstellung mitgewirkt.

Für die Kuratorinnen und Kuratoren war es ein besonderes Anliegen, die Fremdheit nicht moralisch zu bewerten. Gegenüber der Linzer Schau sind neue Arbeiten hinzugekommen, wie etwa Karam Natours Videoarbeit „Heat in My Head“ (2015) und Dominik Sittigs „Mit Puppen, 1965“ (2018). Die insgesamt 23 Werke, hauptsächlich Videoarbeiten, aber auch Fotos, Gemälde und ein Buch, nähern sich auf verschiedene Weise dem Thema Fremdheit in der Familie.

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind: Steve Carr (USA), Larry Clark (USA), Jamie Diamond (USA), Jimmie Durham (USA), Omer Fast (ISR), Ronnie van Hout (NZL), Ragnar Kjartansson (ISL), Erik Levine (USA), Alex McQuilkin (USA), Karam Natour (ISR), Véréna Paravel (FRA) / Lucien Castaing-Taylor (GBR), Chloe Piene (USA), Ben Rivers (GBR), Anri Sala (ALB), Liina Siib (EST), Dominik Sittig (DEU), SNFU (CAN), Louk Vreeswijk (NLD) und Wladimir Zabotin (UKR).


Öffnungszeiten
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: freiburg.de

Dominik Sittig, Mit Puppen, 1965, 2018, Courtesy Saskia Draxler, Foto Simon Vogel
25.03. - 09.10.2022

Someone Else. Die Fremdheit der Kinder

Museum für Neue Kunst

Marienstraße 10a
79098 Freiburg im Breisgau