Christian Jankowski zählt zu den einflussreichsten Aktions- und Konzeptkünstlern seiner Generation.
Insbesondere mit seinen subversiven Performances und Aktionen überrascht er die internationale Kunstwelt bis heute immer wieder von Neuem. Seinen unverwechselbaren künstlerischen Ansatz einer systemischen, gesellschaftsbezogenen Praxis entwickelte der 1968 in Göttingen geborene Künstler auch als Reaktion auf die Kontext-Kunst der 1990er Jahre. Prägend waren für Jankowski, der Anfang der 1990er Jahre in Hamburg studierte, zum einen die partizipatorischen Werkaktivierungen eines Franz Erhard Walther wie auch der 'Bildverweigerer' Stanley Brouwn, der wie Franz Erhard Walther den Kunstbegriff auf die Betrachtenden hin erweiterte. Darüber hinaus beeinflusst haben Jankowski aber auch Martin Kippenberger und Werner Büttner, die gesellschaftspolitische Themen subversiv-ironisch in Bild und Wort dekonstruierten.
 
Bereits als Student sorgte Jankowski mit Aktionen wie Die Jagd(1992) für Aufsehen, als er in archaischer Manier Lebensmittel mit Pfeil und Bogen im Supermarkt erlegte. Seine Jagd zwischen den Supermarktregalen machte den damals 23-jährigen sozusagen über Nacht bekannt. In seinen frühen Performances und Videos trat er nicht selten selbst als Protagonist auf, um das rationale Bewusstsein zu irritieren und das Publikum mit Werken wie Mein Leben als Taube (1996) im wahrsten Sinne des Wortes wieder zu verzaubern.
 
Um die Jahrtausendwende weitete Jankowski seine Kunst dann auf gesellschaftliche Systeme der Religion, der Politik und der Unterhaltungsindustrie aus. Er selbst blieb als Bildgestalter zunehmend im Hintergrund. Stattdessen bediente sich der Künstler vielmehr an bestehenden medialen Formaten und ihren Produktionsabläufen, um Routinen der jeweiligen Profession deutlicher vor Augen zu führen. TV-Priester, Politiker oder Wahrsagerinnen wurden von Jankowski in Kollaborationen verwickelt und so freiwillig, mitunter aber auch unbewusst, zu Mitspieler*innen. Diese Aneignungs-Strategie kulminierte 2011 schließlich in Casting Jesus (2011), bei der er Vertreter des Vatikans dazu brachte, im Format einer Casting Show den besten Jesus zu küren.
 
Unter dem Titel I WAS TOLD TO GO WITH THE FLOW stellt die große Werkschau in der Kunsthalle Tübingen das umfangreiche Œuvre Jankowskis – das neben Filmen auch Fotografie, Skulptur und Malerei umfasst – im Überblick vor. Die Metapher des reisenden Künstlers führt dabei mitten ins Herz der künstlerischen Praxis von Jankowski. So ist das Reisen nicht nur konstanter Bestandteil seines Lebens, sondern auch seiner DNA als Künstler förmlich eingeschrieben. Mit der Distanz des Forschenden begegnet Jankowski auch der eigenen Kultur. Die Ausstellung lädt ein, unsere Lebenswelt, Geschichte, Medien und die Kunst mit neuen Augen zu sehen.