In der Ausstellung City Limits werden die Werke dreier Bildhauerinnen gezeigt, die Architektur als Ausgangspunkt ihrer Arbeit verstehen: Asta Gröting (* 1961 in Deutschland), Monika Sosnowska (* 1972 in Polen) und Yael Efrati (* 1978 in Israel). In der Schau werden vor allem die unterschiedlichen Strategien der architektonischen Rekonstruktion beleuchtet, welche die Künstlerinnen basierend auf ihren persönlichen Erinnerungen einsetzen. Auch zwischenmenschliche Beziehungen und das historische und kulturelle Umfeld von Menschen sind Themen der Ausstellung. Protagonistin bei all dem ist die Stadt, ihre Strukturen und Räume dienen als Ansatzpunkt der Reflektion.

Die drei Künstlerinnen wuchsen in grundverschiedenen sozio-politischen Verhältnissen auf: Asta Gröting im florierenden Westdeutschland der Nachkriegszeit, Monika Sosnowska zu Zeiten des Niedergangs des Kommunismus im krisengeplagten Polen, das in den 1980er- und 1990er-Jahren gravierende sozio-politische Umbrüche erlebte, und Yael Efrati als Tochter osteuropäischer Einwanderer in Israel.

Trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen Herkunft wenden die Künstlerinnen ähnliche künstlerische Strategien an, um ihre jeweiligen politischen, sozialen und geschichtlichen Realitäten widerzuspiegeln, darunter umfassende Recherchen sowie die fotografische Dokumentation architektonischer Elemente. 

Mit ihren aus Silikon hergestellten Reproduktionen „vernarbter“ Berliner Fassaden – insbesondere Ost-Berlins – samt Einschusslöchern konserviert Asta Gröting die letzten Spuren des Zweiten Weltkriegs in der Hauptstadt. Als Negativ-Formen symbolisieren die monumentalen Werke Zerstörung, Elend und Zerfall im Nachkriegsdeutschland.

In Monika Sosnowskas Skulpturen kommt vor allem die Sichtweise der Künstlerin auf städtische Räume und Architektur zum Ausdruck, insbesondere ihr Interesse an jenen Wohnblöcken, die im Polen der 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre im Stil der sozialistischen Moderne errichtet wurden, und an deren Schicksal in der heutigen Zeit.

Die architektonischen Elemente von Yael Efrati wiederum sind fotografische Rekonstruktionen typischer Merkmale sozialistischer Wohnbauten. Diese wurden in Israel innerhalb kurzer Zeit hochgezogen, um Wohnraum für den Strom von Immigranten aus Osteuropa zu schaffen, die nicht nur als direkte Folge des Zweiten Weltkrieges, sondern auch im weiteren Verlauf der Nachkriegszeit ins Land einreisten, um der Verfolgung durch ihnen feindlich gesonnene kommunistische Regime zu entfliehen. Sowohl in ihrer Größe als auch in den persönlichen Geschichten, die mit ihnen verknüpft sind, unterscheiden sich Efratis Werke grundlegend von den monumentalen Arbeiten Sosnowskas and Grötings. 

Die Skulpturen der drei Künstlerinnen ziehen eine klare historische Linie: Von den Trümmern des Zweiten Weltkrieges in Grötings Berliner Fassaden über die Architektur der kommunistischen Ära in den riesigen, deformierten Objekten Sosnowskas bis hin zum Aufbau einer neuen Gesellschaft aus Vertriebenen, die vor demselben Krieg und dessen Nachwehen flohen, in Efratis Werk.

Bestürzenderweise sind die Geschichten von nationalistisch motivierten Kriegen, zerstörten Städten und vertriebenen Menschen, wie die Künstlerinnen sie erzählen, in Europa seit einigen Monaten wieder brandaktuell. In City Limits geben die Bildhauerinnen einen Ausblick darauf, wie sich historische Gerechtigkeit und menschliche Widerstandskraft durchsetzen kann.

Die Ausstellung wurde von November 2021 bis Februar 2022 im Zentrum für polnische Skulptur in Oronsko, Polen gezeigt, das zusammen mit dem Adam-Mickiewicz-Institut der Hauptproduzent der Ausstellung ist. Nach der Kunsthalle Düsseldorf ist im Jahr 2023 der nächste Präsentationsort das Bat Yam Museum of Art in Israel.

Die Ausstellungen werden kuratiert von Sergio Edelsztein (Center for Contemporary Art, Tel Aviv), ko-kuratiert von Joanna Kiliszek und in der Kunsthalle Düsseldorf mit Gregor Jansen und Alicia Holthausen.