Fragments, or just Moments ist die erste institutionelle Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Tony Cokes in Deutschland und markiert zugleich die erste umfassende Zusammenarbeit des Kunstverein München mit dem Haus der Kunst. Sie ist Ergebnis eines intensiven Dialogs zwischen dem Künstler, den Institutionen und ihren Archiven über die letzten zwei Jahre. Cokes verknüpft die beiden in unmittelbarer Nähe gelegenen Ausstellungsorte mit Neuproduktionen, die sowohl in den beiden Institutionen als auch im zwischen ihnen liegenden öffentlichen Stadtraum präsentiert werden.

Die neuen Arbeiten von Cokes nähern sich ausgehend von historischem Quellenmaterial der Geschichte beider Institutionen an. Ausgangspunkt ist zum einen die propagandistische Verknüpfung der beiden Häuser während der NS-Zeit, als das „Haus der Deutschen Kunst“ 1937 mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffnet wurde und in unmittelbarer Nähe in den Hofgartenarkaden, die seit den 1950er Jahren einen Teil der Ausstellungsräume des Kunstverein München bilden, die Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnete. Zum anderen steht die kulturpolitische Rolle der Institutionen im Rahmen der 20. Olympischen Spiele 1972 in München im Mittelpunkt von Cokes’ neuen Arbeiten. Als „Fest des Friedens“ sollten sie einen radikalen Gegenentwurf zu den zuletzt 1936 in Nazi-Deutschland ausgetragenen Spielen darstellen und Deutschland auf internationaler Ebene als erfolgreich entnazifizierten und weltoffenen Staat präsentieren. Diese politische Neucodierung drückte sich sowohl in der Architektur des neuen Olympiastadions, einem infrastrukturellen Ausbau der Stadt sowie einem umfassenden Gestaltungskonzept der Spiele durch den Grafikdesigner Otl Aicher aus. Cokes, der sich in seinen audiovisuellen Werken mit den affektiven Politiken von Bild, Farbe und Typografie auseinandersetzt, nimmt die gestalterische Arbeit Aichers in den Blick, insbesondere hinsichtlich dessen Farbkonzept und der damit einhergehenden Ideologie.

Seit mehr als drei Jahrzehnten untersucht Tony Cokes (geb. 1956, Richmond, Virginia, USA) in seinem Werk die Ideologie und Affektpolitik von Medien und Popkultur sowie ihre Auswirkungen auf Gesellschaften. Ausgehend von einer grundsätzlichen Kritik an der Darstellung und visuellen Kommodifizierung afroamerikanischer Gemeinschaften in Film, Fernsehen, Werbung und Musikvideos hat Cokes eine einzigartige Form des Videoessays entwickelt, die repräsentative Bilder radikal ablehnt. Diese schnell bewegten Arbeiten bestehen aus vorgefundenem Text- sowie Soundmaterial aus diversen Quellen wie Kritischer Theorie, Online-Journalismus, Literatur und Popmusik. Die Collagen aus unterschiedlichsten sozio-kulturellen Referenzen und Zeiten ermöglichen ein verändertes Nachdenken über strukturellen Rassismus, Kapitalismus, Kriegsführung und Gentrifizierung.

Anlässlich der Ausstellung Fragments, or just Moments erscheint eine umfassende Publikation bei DISTANZ mit Beiträgen von Tina Campt und Tom Holert sowie einer Einführung der Ausstellungskuratorinnen des Kunstverein München und des Haus der Kunst.


Öffnungszeiten:
Mittwoch – Monstag: 12:00 - 18:00 Uhr
Jeden 1. Donnerstag im Monat:12:00 - 22:00 Uhr
An Feiertagen und Dienstagen geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstverein-muenchen.de