Das Museum Folkwang präsentiert die neueste Videoarbeit von Candice Breitz. Neben der VideoinstallationWhiteface, die internationale Premiere feiert, zeigt die Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel sieben Ein-Kanal-Videos mit dem Titel White Mantras sowie eine Reihe fotografischer Porträts der Figuren aus Whiteface. Candice Breitz setzt sich in Ihrem aktuellen Werkzyklus kritisch mit dem Weißsein auseinander. Die Ausstellung ist bis zum 21. August zu sehen.

In den vergangenen Jahren hat Breitz ein breites Spektrum an Found-Footage-Fragmenten gesammelt und archiviert, die dokumentieren, wie weiße Menschen über race sprechen. In ihrem Archiv finden sich die Stimmen prominenter politischer Persönlichkeiten, Nachrichtensprecher:innen und Talkshow-Moderator:innen sowie die Stimmen weniger bekannter und anonymer YouTube-Blogger:innen. Dieses Archiv deckt weiße Perspektiven ab, die von Neonazi-Ideologien und rechtsextremer Propaganda bis hin zu Alltagsrassismen und dem Auftreten als „gute Weiße“ reichen. „Durch das Archiv“, erläutert die Künstlerin, „lässt sich vor allem die wachsende Angst der Weißen beobachten – in einer Zeit, in der die seit langem bestehenden Forderungen nach der Abschaffung weißer Vorherrschaft weltweit immer lauter werden. Es bietet dabei einen Einblick in die fortwährende Abwehrhaltung gegenüber antirassistischen Bewegungen und zeigt, wie weiße Menschen mit dem öffentlichen Diskurs ringen, in dem ‚weiße Privilegien‘, ‚weiße Empfindlichkeit‘, ‚weiße Wut‘ und ‚weiße Schuld‘ diskutiert werden.“

Wie eine Bauchrednerpuppe macht sich Breitz in Whiteface Dutzende von Stimmen aus diesem Archiv zu eigen und leitet diese durch ihren eigenen weißen Körper. Nur mit einem weißen Hemd und Zombie-Kontaktlinsen bekleidet, beschwört die Künstlerin Weißsein in einer Vielzahl seiner Erscheinungsformen herauf und wechselt im Verlauf der Arbeit eine Reihe billiger blonder Perücken. Dazwischen zeigt sich die Künstlerin auch mit ihrem eigenen platinblonden Schopf. Dass Breitz inmitten der Figuren, die das Werk besetzen, auch ohne Perücke auftritt, macht ihre eigene Verortung im Weißsein deutlich. Auch wenn Breitz und viele der körperlosen Stimmen, die sie lippensynchronisiert, in Whiteface wiedererkennbar sind (Tucker Carlson, Rachel Dolezal, Bill Maher, Richard Spencer und Robin DiAngelo haben beispielsweise einen stimmlichen Auftritt), so sind doch nicht in erster Linie bestimmte, einzelne Weiße das Ziel dieser beißenden Satire. Es ist vielmehr die Bedingung des Weißseins, die Breitz ins Licht rücken will. Losgelöst von den Menschen, die sie ursprünglich geäußert haben, verdichten sich die Worte, die durch Breitz strömen, zu einer schonungslosen Studie des Vokabulars und der Grammatik, mit der die Macht des Weißseins begründet, normalisiert und ausgeübt wird.

Breitz' bewusst theatralische Darbietung in Whiteface lenkt die Aufmerksamkeit auf die Konstruiertheit des Weißseins und anderer rassifizierter Kategorien. Ihre bleiche Erscheinung und ihre abgestumpften, toten Augen platzieren die Fiktionen, die die weiße Vorherrschaft legitimieren und aufrechterhalten, mitten im Horrorgenre.

Breitz, die während der Apartheid in Südafrika geboren und aufgewachsen ist, hat sich in ihrem Werk immer wieder mit dem Weißsein auseinandergesetzt – von frühen Fotoreihen wie Ghost Series (1994) bis zu späteren Installationen wie Extra (2011) und TLDR (2017).Whiteface ist ihr bisher direktester Versuch einer Autoethnografie.