Das Bucerius Kunst Forum präsentiert die erste internationale Gesamtschau des in Hamburg geborenen Fotografen Herbert List (1903-1975) seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die Retrospektive spannt den Bogen von seinen surrealistischen Werken vor 1945 über seine bildgewordenen Träume einer lebendigen Antike und die umfassenden Bildreportagen außereuropäischer Kulturen bis zu den Männerakten, mit denen List ein Bekenntnis zur eigenen Homosexualität ablegte.

Sein Werk vor 1945 ist von der Malerei der pittura metafisica und der Kunst des Surrealismus nachhaltig geprägt. Ähnlich wie Giorgio de Chirico oder René Magritte war es Lists Anliegen, das Hintergründige und Mehrdeutige der Wirklichkeit sichtbar zu machen. Viele seiner Aufnahmen, die in Hamburg, Paris oder Athen entstanden, verströmen eine Aura des Geheimnisvollen und Rätselhaften. Im mediterranen Griechenland und Italien verbildlichte List zudem den Traum von einer lebendigen Antike. Eine Wiederbelegung dieser magischen Bildwelt suchte und fand List später in den Trümmern des zerstörten München nach 1945. Nach Kriegsende wandte er sich vor allem dem Fotoessay zu. Es entstanden umfassende Bildreportagen über Neapel, die Karibik, Mexiko, die als Buch oder in den führenden Magazinen und Illustrierten wie LIFE, Heute oder DU veröffentlicht wurden. Sein Interesse an den außereuropäischen Kulturen führte schließlich zu umfassenden Bildserien von nigerianischen, ozeanischen und präkolumbianischen Skulpturen.

Weitere Kapitel sind dem Männerakt und den Porträts von Künstlern der klassischen Moderne wie Picasso, Miró, Braque, Chagall, Calder, Morandi oder Schriftsteller:innen wie Pasolini und Ingeborg Bachmann gewidmet.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit des Bucerius Kunst Forums mit dem Herbert List-Archiv des Münchner Stadtmuseums und dem Herbert List Estate entsteht, präsentiert zirka 240 Originalaufnahmen aus dem Zeitraum von 1930 bis 1965. Sie ist der Beitrag des Bucerius Kunst Forums zur 8. Triennale der Photographie Hamburg, zu der das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg ebenfalls eine Ausstellung zu Herbert List, Präuschers Panoptikum. Ein Bilderbuch von Herbert List (19.5. – 18.9.2022) zeigt.

Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit zahlreichen Aufsätzen deren Autor:innen sich in unterschiedlichsten Aspekten dem Künstler Herbert List nähern: Peer-Olaf Richter und Nadine Henrich widmen sich der Biografie des Fotografen, Ulrich Pohlmann der fotografia metafisica, Bernhard Maaz thematisiert mit Heros und Eros die Antike, Esther  Ruelfs nähert sich der homophilen Ästhetik, Ludger Derenthal befasst sich mit den dunklen 30er und 40er Jahren, Kathrin Baumstark setzt sich mit den Künstlerporträts auseinander, Katrin Dyballa beleuchtet den Aspekt List und Italien und Michael Koetzle nähert sich den Bildreportagen.