Mit der 66. Jahres Ausstellung "Emil Nolde - Stille Welten" werfen wir einen frischen Blick auf das Werk Emil Noldes und legen die Relevanz seiner Kunst für die Gegenwart da. 90 Werke - vielgeliebte Klassiker und neu Entdeckungen - aus all Motivwelten und Schaffensphasen des großen Farbmagiers laden ein in "Stille Welten": von Wikinger von Wikingern über biblische Themen bis zu Landschaften und Blumen. Dank einer jüngsten Dauerleihgabe kommt es zur Wiedervereinigung eines von Emil Nolde zerschnitten Gemäldes von 1912.

Der Spannungsbogen führt von dem Triptychon "Harmonie der Gegensätze", ein Höhepunkt in Emil Noldes Spätwerk und sein einziges mit weltlichem Themen, bis zum religiösen Tryptichon "Martyrium", dass nach Ada Nolde "voll Grausen und Glut, voll reifster Erfahrung, von Feuer und Tollheit" ist. Zu den selten oder noch nie präsentierten schätzen zählen Objekte aus Emil Noldes privater Sammlung, mit denen er für seine stillleben stimmungsvolle Kompositionen geschaffen hat.

Während die denkmalgerechte Sanierung des Wohn minus und Atelierhauses Seebühne im Sommer abgeschlossen sein wird, findet die Ausstellung zum letzten Mal in den Räumen des Besucherforums statt. Wir erwarten sie mit unserer neuen Gastronomie "Element".

Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem Thema "Stille Welten" in Emil Noldes Werk. Wer sich nach Stille sehnt, um der Hektik des komplizierten Alltags zu entfliehen, kann in der Stille Nordfrieslands Kraft tanken. Die Kunst und die Lebenswelt Emil Noldes laden zur Versenkung ein. In all seinen Motiven hat Emil Nolde stille Momente aufgespürt und sie künstlerisch zum Ausdruck gebracht: ob im ruhig daliegenden Meer, einer weiten Ebene im Sonnenuntergang oder bei Menschen in tiefer Versunkenheit.

Friedlich nehmen sich die Meere aus. Nichts ist zu spüren von der Urgewalt, der Emil Nolde in seinen interessanten Meeresdarstellungen so oft nachgeht. Endlos breitet sich das Wasser aus, vom Himmel nur durch eine schmale Horizontlinie geschieden. Und weil kaum eine Welle den Blick ablenkt, leuchtet die Farbpracht der Szenerie umso mehr. Selbst das kleinste Aquarellblatt wirkt wie ein Ausschnitt stiller Unendlichkeit. 

Auch die Landschaften sind ganz auf Ruhe gestellt, egal welche Tages- oder Jahreszeit festgehalten ist. Überall finden sich Spuren der menschlichen Kultivierung des Landes. Dessen Bewohner aber, so scheint es, sind für den Moment verschwunden und haben Stille über die Landschaft fallen lassen. Entspannung findet sich selbst in Emil Noldes Portraits, wenn er Menschen abbildet, die ganz bei sich angekommen sind und sich vollkommen unbeobachtet fühlen. Diesen sensiblen nachempfunden Zustand fängt der Maler souverän ein.

Ruhe, Ausgewogenheit und Farbenpracht: diese Eigenschaften beschreiben die bislang wenig beachtet Facette in Emil Noldes schaffen, die den stürmischen Expressionisten als Meister der feinen Ballons offenbart.

Zu den erstmals in Seebüll ausgestellten Exponenten zählen neue Dauerleihgaben: "Sonnenblumen", ein herausragendes Blumenbild von 1926, dass Emil Nolde auf dem Höhepunkt seiner Kunst zeigt, Aus dem Besitz des Norddeutschen Rundfunks, sowie ein stimmiges Konvolut aus dem Nachlass der Sammler Dr. Karl-Heinz Kürten und Renate Kürten. Durch diese Dauerleihgabe kommt auch "Wiking (Halbfigur)" zurück nach Seebüll: es handelt sich um die linke Hälfte eines von Nolde zerschnitten Gemäldes von 1912, dessen andere Hälfte "Wiking "zur Seemüller Sammlung gehört. Nolde hat "Wiking (Halbfigur)" seiner zweiten Frau Jolanthe vermacht, die ihn später in den Kunsthandel gab. Nach mehr als 65 Jahren sind die beiden erstmals zusammen gehörenden Protagonisten wieder vereint. Wir schätzen uns glücklich Dank der großzügigen Leihgeber hervorragende Werke mit einer breiten Öffentlichkeit teilen zu können.

Die Ausstellung veranschaulicht eine weitere Facette des großen Farbmagiers Emil Nolde, der 1915 schrieb: "Besonders die Farbe leitete mich und mir ist, als ob, wenn ich so eins und eins sehe, jedes aus mir einen anderen Menschen macht. Ich weiß nicht, ob es auch anderen so ergehen kann." Unter diesem Leitmotiv laden wir unsere Besucherinnen und Besucher ein, das herausragende Werk in der diesjährigen Jahresausstellung neu für sich zu entdecken und zu genießen.

Emil Nolde, Liegender Akt 1901 ©Nolde Stiftung Seebüll
01.03. - 31.10.2022

Emil Nolde: Stille Welten. 66. Jahresausstellung

Nolde Stiftung Seebüll

Seebüll 31
25927 Neukirchen