Der Kunstverein Bielefeld freut sich, mit Don’t Say I Didn’t Say So die künstlerischen Positionen von Cudelice Brazelton IV, Irina Lotarevich, Pierre Allain, Timothée Calame, Toni Schmale und Ye?im Akdeniz zu präsentieren. Die Gruppenausstellung geht von der Frage aus: Wo zeigt sich der innere Zusammenhang zwischen moderner Ästhetik und Disziplinargesellschaft? Das Disziplinarsystem, das sich zeitgleich mit der Ästhetik im 18. Jahrhundert entwickelt, nimmt die Formung des Körpers, die Steigerung seiner Kräfte in den Fokus, um dessen ökonomische Nützlichkeit zu erhöhen. Das Prinzip der gegenwärtigen „Kontrollgesellschaften“ (Gilles Deleuze) hat die Disziplinarprozesse keineswegs ersetzt. Vielmehr ist der Körper als Austragungsort von politischen und ökonomischen Interessen umkämpfter denn je. Was aber bedeutet dies für aktuelle soziale Praktiken? Worin liegt ihr Widerstandspotential?

Der Titel der Ausstellung ist vor dem Hintergrund dieser Auseinandersetzung zu lesen. Don’t Say I Didn’t Say So referiert auf die gleichnamige Installation von Marcel Broodthaers Ne dites pas que je ne l’ai pas dit — Le Perroquet (1974). Zentral für diese ist die Figur des Papageis, dessen Körper von den Stimmen der Anderen bewohnt wird, der die Sprache nachahmt und die Worte tautologisch wiederholt. Aus dem Schnabel des Papageis gesprochen, verkehrt sich jedoch die Aussage „Sag’ nicht, ich hätte es nicht gesagt“ und wird zur Frage nach der eigenen Rolle, nach den Bedingungen des Sagens und damit zur Frage nach den Bedingungen selbstbestimmten Handelns.

In Rahmen der Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm mit Gesprächen, Workshops sowie Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt.

Es erscheint ein Nachdruck der Publikation Parrot von Karl Larsson.

02.04. - 03.07.2022

Don’t Say I Didn’t Say So

Kunstverein Bielefeld

Welle 61
33602 Bielefeld