Der irische Fotograf Richard Mosse (*1980) hält seit einem Jahrzehnt weltweit politische und ökologische Krisen fest: Vom Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo, der europäischen Flüchtlings-und Migrationspolitik bis hin zur Zerstörung der tropischen Regenwälder. Für seine großformatigen Fotografien greift Mosse auf Technologien zurück, die ursprünglich für militärische oder wissenschaftliche Zwecke entwickelt wurden. Sie machen Dinge sichtbar, die für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar sind. Erstmals zeigt die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen in Deutschland mit über 70 Fotografien und einer neuen Videoarbeit einen breiten Überblick über das Schaffen von Richard Mosse. 

Richard Mosses Fotografien und Videos sind hoch ästhetisch und zugleich aufgeladen mit politischen und ethischen Fragestellungen. Er verwendet Bildtechnologien, die eigentlich für militärische oder wissenschaftliche Zwecke entwickelt wurden. Zum einen erforscht und zeigt Mosse so die Hintergründe und Auswirkungen globaler Krisen. Zum anderen befragt er die Möglichkeiten und Grenzen der Fotografie an sich. So arbeitet Mosse an der Schnittstelle zwischen politisch motivierter Dokumentarfotografie und zeitgenössischer Konzeptkunst. Ursprung dieser Arbeitsweise ist seine Überzeugung, dass die Verfahren der konventionellen Dokumentarfotografie nicht geeignet seien, die komplexen und oft undurchsichtigen Zusammenhänge der globalen Krisen und Kriege darzustellen. 

Die gemeinsam mit dem Künstler vorbereitete Ausstellung zeigt erstmals in Deutschland einen breiten Überblick über sein Schaffen. Mehr als 70 ausgewählte Fotografien aus seinen bisherigen vier großen Werkgruppen „Infra“ (2010–2014) aus dem Kongo, den „Heat Maps“ (2016–2018) mit Bildern von europäischen Flüchtlingscamps bis zu seinen aktuellen Serien „Ultra“ (2019/20) und „Tristes Tropiques“ (seit 2020), in denen er sich mit der systematischen Zerstörung der Amazonas-Regenwälder auseinandersetzt. Eine neue, raumfüllende Videoarbeit aus dem „Tristes Tropiques“-Werkkomplex ergänzt die Auswahl der Fotografien. 

Richard Mosse lebt in New York. 2013 vertrat er sein Heimatland Irland auf der Biennale in Venedig. 2014 erhielt er den Deutsche Börse Photography Prize und 2017 den Prix Pictet. Seine Arbeiten wurden bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, darunter im MAST, Bologna (2021), San Francisco Museum of Modern Art (2019), Barbican Art Gallery, London (2017), Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk (2015) und der National Gallery of Victoria, Melbourne (2014).