Das Kupferstich-Kabinett zeigt in seinem Studiensaalgroßformatige Arbeiten der Schweizer Künstlerin Daniela Keiser (*1963). Die Schau „Blue Links. Cyanotypes. Daniela Keiser“ ist ein Kooperationsprojekt mit der Graphischen Sammlung ETH Zürich und dem Ulster Museum, Belfast. Alle drei Ausstellungen finden gleichzeitig statt. Mit dieser Präsentation stellt Daniela Keiser erstmals nach 15 Jahren wieder in Deutschland aus.

Die fünf großen Tableaus aus insgesamt rund 75 einzelnen Cyanotypien sind Ansichten von Panská skála, einem ehemaligen Steinbruch am Ortsausgang der tschechischen Kleinstadt Kamenický Šenov etwa 60 Kilometer südöstlich von Dresden. Das etwa 30 Meter hohe Naturdenkmal besteht aus senkrecht aufragenden penta- und hexagonalen Basaltsäulen, die eine Höhe von bis zu 12 Metern erreichen und einen Durchmesser von 20 bis 40 Zentimetern haben. Eindrucksvoll ist das Gleichmaß des Basaltsteins, der vulkanischen Ursprungs ist und seine geometrische Gestalt dem Abkühlungsprozess unter hohem Druck verdankt. Für ihre Bilder hat die Künstlerin das frühe, bereits 1842 von John Herschel erfundene fotografische Verfahren der Cyanotypie gewählt. Dazu wird das Fotopapier mit einer Lösung aus Ammoniumeisencitrat und Kaliumhexacyanidoferrat (Rotes Blutlaugensalz) lichtempfindlich gemacht, was bei der Belichtung das so genannte Berliner Blau erzeugt. Durch diese spezielle Färbung werden das vertikale Linienraster der Basaltpfeiler und das Wabenmuster der Querschnitte hervorgehoben, wodurch man das monumentale Naturspektakel als ein abstrakt-geometrisches Formenspiel des Gesteins erlebt.

In „Blue Links“ verknüpft Daniela Keiser frei assoziierend Ideen, Bilder und Strukturen der Lebensbedingungen in Europa mit Aspekten von Geschichte, Landschaft, Besiedelung und Handel. Inspiriert sind die blauen Fotografien von Panská skála von den berühmten Cyanotypien der Botanikerin und Fotografiepionierin Anna Atkins (1799–1871) und den nächtlichen Satellitenbildern der Erde. Aber auch die so genannte „Blaue Banane“, ein wirtschaftsgeografischer Begriff für den europäischen Ballungsraum von Manchester bis Mailand, ist ein Bezugspunkt für Daniela Keiser. Deshalb hat sie zwei Randbereiche dieser Zone, Nordirland und das deutsch-tschechische Grenzgebiet in Sachsen, in ihr künstlerisches Projekt einbezogen. Ergänzt werden die Arbeiten zu Panská skála durch zwei Künstlerbücher in Cyanotypie-Technik. Zeichnungen von Carl Gustav Carus aus der Sammlung des Kupferstich-Kabinetts zeigen, dass sich schon die Romantiker für die Besonderheiten des Basalts interessiert haben.

Im Studiensaal, einem für jede Person offen zugänglichen geschützten Raum, ist eine einzigartige und unmittelbare Begegnung mit Kunst auf Papier möglich. Interessierte und Neugierige können sich hier Originale zur individuellen Betrachtung zeigen lassen. Außerdem finden regelmäßig temporäre Werkpräsentationen statt. Das größer angelegte Projekt „Blue Links“ soll den Studiensaal als Ort des künstlerischen Erlebnisses nun weiter aktivieren. Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Vermittlungsprogramm aus Kunstgesprächen, Kuratorenführungen sowie weiteren Veranstaltungen und Workshops begleitet. Jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag von 17 bis 18 Uhr stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kupferstich-Kabinetts dem Publikum für ein zwangloses Gespräch zur Verfügung.

Begleitend zum Gesamtprojekt erscheint die Publikation „Blue Links. Cyanotypes. Daniela Keiser“ in deutscher und englischer Sprache im Verlag für Moderne Kunst, herausgegeben von Linda Schädler, Graphische Sammlung ETH Zürich, 312 Seiten, 48 Euro, Museumsausgabe 36 Euro. ISBN: 978-3-903572-89-8.


Öffnungszeiten: 
Montag, Mittwoch - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Dienstag: geschlossen

Weitere Informatione direkt unter: skd.museum