In der Ausstellung im Völkerkundemuseum Herrnhut illustrieren zahlreiche Dokumente, zum Beispiel die erste handschriftliche Gemeindeordnung von 1727, Objekte und Grafiken, Kupferstiche sowie Aquarelle das Stadtleben im Wandel der Zeit. Typisch für die religiösen Wurzeln Herrnhuts sind das Tablett mit Geschirr für eine „Liebesmahlfeier“, die Utensilien der Herrnhuter Lospraxis und die „Schwesternhäubchen“ mit Bändern in unterschiedlicher Farbe. Hervorzuheben sind auch die Bleiglasfenster zur Erinnerung an den Witwenhausbrand von 1921.

Sieben thematische Stationen geben Ein- und Ausblicke in 300 Jahre Geschichte der Herrnhuter und ihrer Stadt. Mit Porträts und Fotoaufnahmen zur Stadtgeschichte stellen sich die Herrnhuter ihren Besucher*innen vor. Begründet als Siedlung für protestantische Glaubensflüchtlinge aus Mähren, entwickelte sich Herrnhut rasch zu einem bedeutenden Platz für Handwerk und Handel, dessen heute vielleicht bekanntestes Produkt der Herrnhuter Stern ist. Durch Ausbreitung und Missionstätigkeit der Herrnhuter Brüdergemeine wurde der Ort zugleich zum Zentrum einer global vernetzten, kirchlichen Erneuerungsbewegung. Das Beil, mit dem Christian David, mährischer Zimmermann und späterer Herrnhuter Missionar, 1722 den ersten Baum Herrnhuts bearbeitete, steht für das Thema der Ortsgründung. Streifzüge in die biedermeierliche Blütezeit bilden das vielschichtige Erbe und die traditionsreiche Erinnerungskultur bis in die Gegenwart ab. Sowohl die Herrnhuter Stadtgesellschaft als auch das kirchliche Leben der Brüdergemeine werden beleuchtet. Der Thementisch „Die Welt kommt nach Herrnhut“ zeigt die Wechselwirkungen der globalen Vernetzung der Brüder-Unität durch Ausbreitung und Missionstätigkeit anhand von Objekten aus der Sammlung des Völkerkundemuseums Herrnhut auf.

Das Wirken der Herrnhuter in der Welt ist nicht nur in der Sonderausstellung präsent. Verschiedene Installationen zur Missionsgeschichte sind anlässlich des Jubiläums in der Dauerausstellung des Völkerkundemuseums zu finden und bieten schon jetzt kleine Schaufenster in deren Neukonzeption, die für die nächsten Jahre geplant ist. Zugleich knüpft die Sonderausstellung Verbindungen zu historischen Orten in der Stadt und lädt dazu ein, die Erkundung Herrnhuts mit einem Besuch im Heimatmuseum, im Kirchensaal der Brüdergemeine und in der Schauwerkstatt der Herrnhuter Sternemanufaktur fortzusetzen.


Öffnungszeiten: 

09.04. - 27.11.2022

Aufbruch. Netz. Erinnerung – 300 Jahre Herrnhut