Fluentum freut sich, UNICA, eine neue, raumgreifende Videoinstallation der Künstlerin und Filmemacherin Anja Kirschner, zu zeigen. In der von Fluentum co-produzierten Zweikanal-Arbeit, die sich installativ auf den Ausstellungsraum ausweitet, werden Spuren von Katastrophen in historischen, simulierten und inneren Welten aufgedeckt.

Basierend auf Kirschners mehrjähriger Forschung zu den technologischen und ästhetischen Potenzialen immersiver Medien beschäftigt sich UNICA mit dem Motiv katastrophischer Zerstörung in postapokalyptischen Computerspielwelten. Indem die Künstlerin aktuelle post-cinematische Produktionsformen wie Motion Capture (z.dt. Bewegungserfassung) mit zeichnerischen und quasi-archäologischen Verfahren verbindet, verdichtet sie UNICA zu einer komplexen, poetischen Auseinandersetzung mit neuen Technologien und den daraus entstehenden Erfahrungswelten.

Die latente Präsenz einer Katastrophe, die in UNICA nie explizit Erwähnung findet, wird von den Charakteren des Films, dargestellt von Grete Gehrke und Gabrielle Scharnitzky, durch ineinander übergehende Verweise auf Computerspiele, Zeichnungen und Träume evoziert und taucht auch in einer von der Animatorin Diana Gradinaru gezeichneten Sequenz auf, die im Obergeschoss von Fluentum platziert als Refrain der Ausstellung dient. Diese dezidierte Unbestimmtheit vermengt sich mit der Entstehungsgeschichte des Teufelsbergs, auf dem ein Teil des Films gedreht wurde. Dieser aus Schutt des Zweiten Weltkriegs entstandene Landschaftspark am Rande Berlins, in dessen Inneren die Grundmauern des nationalsozialistischen Großprojekts „Germania“ begraben sind, wird in UNICA zu einem Leitmotiv für die unterschwellige Gegenwart historischer Gewaltmomente und deren künstliche Naturalisierung.

Kirschners filmische Herangehensweise ist vom zeichnerischen und schriftstellerischen Werk der Künstlerin Unica Zürn (1916-1970) abgeleitet. In Anagrammen und phantastischen Körperdarstellungen provozierte Zürn einen Bruch mit normativen anatomischen, architektonischen und sprachlichen Gefügen, denen sie sich ausgesetzt sah. Kirschner überträgt Zürns generative Herangehensweise auf digitale Produktionsformen und historische Drehorte und verknüpft sie zu einer zutiefst aktuellen und ortsspezifischen Auseinandersetzung.

In einer raumgreifenden Installation aus organisch anmutenden Sitzelementen, die sich über den zweigeschossigen Ausstellungsraum von Fluentum legen, ermöglicht Kirschner für die Besucherinnen und Besucher eine erfahrbare Interaktion mit den in UNICA erarbeiteten Ideen. In Reaktion auf die Architektur des Gebäudes, das aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt, destabilisiert UNICA vorgegebene Blickachsen und Bewegungsmuster.

UNICA von Anja Kirschner ist die zweite Ausstellung im Rahmen der zweijährigen Programmreihe In Medias Res: Media, (Still) Moving bei Fluentum, kuratiert von Dennis Brzek und Junia Thiede, die die Methoden und Prozesse des Erinnerns und Erzählens im Bewegtbild in den Fokus rückt. Die Reihe begann mit der Gruppenausstellung Time Without End im September 2021 und wird mit einer weiteren Ausstellung Ende des Jahres abschließen. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Claire Finch, Lisa Jeschke und Luisa Lorenza Corna.

Anja Kirschner ist Preisträgerin des Jarman Awards (2011) und ihre Werke wurden international ausgestellt, u.a. im Haus der Kulturen der Welt (HKW), Berlin, Secession, Wien, Benaki Museum, Athen, Palais de Tokyo, Paris, n.b.k., Berlin, Badischer Kunstverein, Karlsruhe, Artists Space, New York, Extra City, Antwerp, Transmission Gallery, Glasgow, Liverpool Biennial und Chisenhale Gallery, London.


Öffnungszeiten:
Freitag: 11:00 - 17:00 Uhr
Samstag: 11:00 - 16:00 Uhr

Sonderöffnungszeiten anlässlich des Gallery Weekend Berlin 2022: 
27. April – 1. Mai: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: fluentum.org