Pawel Althamer ist Träger des Lovis-Corinth-Preises 2022. Der polnische Künstler fasziniert international mit Werken, die den herkömmlichen Kunstbegriff erweitern. Sowohl bei seinen partizipativen Performances und Installationen als auch in seinen Skulpturen steht der Mensch im Mittelpunkt. Soziales Engagement macht Althamer zu einem wesentlichen Aspekt seines künstlerischen Programms. Anlässlich der Preisverleihung widmet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie dem Künstler eine umfangreiche Ausstellung. Zu sehen ist die Schau ab dem 3. Juni 2022.

Pawel Althamer (*1967) wurde in den 1990er Jahren einer der zentralen Vertreter der polnischen Gegenwartskunst. Heute zieht seine Kunst international Aufmerksamkeit auf sich. Mit der Verleihung des Lovis-Corinth-Preises 2022 ehrt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie das herausragende Gesamtwerk des Künstlers. Die Ausstellung im Sommer 2022 gibt einen Einblick in Althamers bisherige Projekte sowie aktuelle Arbeiten.

Für Pawel Althamer ist der Entstehungsprozess genauso wichtig, wie das daraus resultierende Kunstwerk. In den kreativen Vorgang bindet er aktiv andere ein. Seine KollaborateurInnen – z. B. MuseumsbesucherInnen – sieht er dabei als Gleichberechtigte an. Althamer arbeitet regelmäßig mit bestimmten Gruppen zusammen, u.a. mit seiner Familie, seinen NachbarInnen, FreundInnen oder anderen KünstlerInnen.

Den partizipativen Ansatz nutzt Althamer bei seinen sozialen Projekten – aus seiner Position als Künstler engagiert er sich für Benachteiligte und bricht sozial belastete Strukturen auf. So gibt er in Warschau seit Jahren einen Workshop für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Er entwickelt spezielle Projekte mit sozialen Randgruppen, etwa mit Strafgefangenen in „Seitesmän vankia“ (2019-2021). Die BewohnerInnen der sozial schwachen Plattenbausiedlung Bródno am Stadtrand von Warschau, in welcher Althamer selbst auch wohnt, motivierte er, gemeinsam eine temporäre Lichtskulptur zu erschaffen. Das Projekt mit dem Titel „Bródno 2000“ wurde ein großer Erfolg.

Im Rahmen seiner bisher größten Performance „Common Task“ (2009-fortlaufend) hat Althamer wiederholt bis zu 150 Menschen auf Reisen eingeladen. An verschiedenen Orten – in Belgien, Brasilien, Deutschland, Mali oder Weißrussland – tauchte der Künstler mit seiner ganz in Gold gekleideten Gefolgschaft auf und inszenierte, angeregt vom Glauben der Dogon aus Mali, einen Besuch von Außerirdischen.

Auch Althamers skulpturales Werk befasst sich überwiegend mit der menschlichen Figur, wobei seine Techniken von der Assemblage über Keramik, Polyethylen und Holz bis zu Bronzeguss reichen. Immer wieder beschäftigt sich Althamer mit seinem Selbstporträt entweder in einer figürlichen oder in einer performativen Arbeit. Seine Performances sind meditativ bis Bewusstsein erweiternd, er experimentiert mit esoterischen und aufopfernden Grenzüberschreitungen (Kardynal, 1991). Eine spirituelle Dimension ist für Althamers Schaffen charakteristisch, ohne jedoch von einer konkreten religiösen Auffassung geprägt zu sein.

Althamer agiert frei, unorthodox und mystisch. So lässt er sich nicht in eine Kategorie, in eine eindeutig geprägte politische Gesellschaft oder in ein religiöses Korsett drängen – mit Blick auf die aktuelle Regierung in Polen nimmt er eine starke, kritische Haltung ein.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Pawel Althamer. Lovis-Corinth-Preis 2022“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie steht der kollaborative Aspekt von Althamers Schaffen. Die gezeigten Werke stammen aus polnischen und deutschen Museen und Privatsammlungen. Zu den Highlights der Ausstellung gehören unter anderem Althamers Selbstporträt „MAMA III“ (2016), die Skulptur „#blackprotest“ (2016), sowie eine erst jüngst entstandene, sehr private Arbeit. In Form eines Puppenhauses verarbeitet Althamer darin persönliche Inhalte, indem er Parallelen zu seiner Biografie zieht. Die Ausstellung eröffnet am 3. Juni und ist bis zum 11. September 2022 zu sehen. Die Verleihung des Lovis-Corinth-Preises 2022 an Pawel Althamer wird im Rahmen der Vernissage am 2. Juni stattfinden.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache mit einem Interview mit Pawel Althamer und einem Textbeitrag vom ausgewiesenen Kenner seines Œuvres, Karol Sienkiewicz, Warschau.

Lovis-Corinth-Preis
Der Lovis-Corinth-Preis wurde 1974 von der KünstlerGilde e.V. gegründet und im KOG jährlich verliehen. Von 2006 an beteiligt sich das KOG an der Auswahl und Preisvergabe, die ab diesem Jahr im Zweijahresrhythmus erfolgt. Seit 2016 koordiniert das KOG die Auslobung des Lovis-Corinth-Preises allein oder in Kooperation mit wechselnden Partnern.

Ausgezeichnet werden bildende KünstlerInnen, deren Schaffen im Bereich Malerei, Grafik, Plastik/Skulptur, Installation, Performance, Fotografie und Neue Medien einen inhaltlichen oder biografischen Bezug zum östlichen Europa aufweist. Mit der Verleihung wird ein international bedeutendes Gesamtwerk gewürdigt, das einen relevanten Beitrag zur Entwicklung zeitgenössischer Ausdrucksformen leistet. Die KandidatInnen werden von den Mitgliedern einer Fachjury nominiert. Die Auszeichnung geht mit einer Ausstellung im KOG einher.

Zu den TrägerInnen des Lovis-Corinth-Preises gehören eine ganze Reihe prominenter KünstlerInnen – darunter Oskar Kokoschka (1976), Markus Lüpertz (1990), Sigmar Polke (1993), Katharina Sieverding (1996), Magdalena Jetelová (2006), Jirí Georg Dokoupil (2012) und zuletzt Peter Weibel (2020).


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