Die Liste unvollendeter Werke der Kunstgeschichte ist lang und spektakulär. Die Gründe für das Nichtfortführen, das Abbrechen oder Scheitern sind so unterschiedlich wie die einzelnen Projekte: Mal ging das Geld aus, mal sprang der Auftraggeber ab, nicht selten kamen Krankheit oder gar ein verfrühter Tod dazwischen. In der klassischen Moderne wurde das Unfertige sogar als bewusstes Stilmittel eingesetzt.

Die Kabinettschau „Unvollendet“ spürt der Faszination (vermeintlich) unfertiger Kunstwerke nach. Bis zum 18. September 2022 versammelt die Präsentation rund 30 Beispiele für unvollendete Arbeiten aus den Sammlungen des Landesmuseums – von Malerei über Grafik bis hin zu Kulturgeschichte. Im Zentrum der Schau stehen die Fragen: Wann gilt ein Kunstwerk eigentlich als fertig und ist die Vollendung tatsächlich immer der Idealzustand?

Zu sehen sind unter anderem begonnene Landschaften der Künstler Georg Bernhard Müller vom Siel, Ernst Wilhelm Dietrich Willers und Alfred Mahlau. Als Letzterer an seinem Castel San Pietro Romano arbeitete, musste er die Fertigstellung abbrechen und notierte auf dem Blatt: „Hatte schon Fieber! Letzte Skizze von S. Pietro“. Bei Minna von Buttels Mädchenstudie scheint es, als sei die Vollendung ihres Kunstwerks nicht das primäre Ziel gewesen. Ebenso bei Paul Emil Jacobs, der schlaglichtartig und sehr detailreich eine Körperstudie anlegt – jedoch auf den Kopf, eine Hand und die Beine seiner Figur verzichtet.

Allen Arbeiten gemein ist ihr fragmentarischer Charakter. Sie ermöglichen den Besucherinnen und Besuchern neue Perspektiven auf die Kunst und geben Einblicke in ihren Entstehungsprozess.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-ol.de

Minna von Buttel, Ölstudie, 19. Jh., Landesmuseum Oldenburg, Foto: Sven Adelaide
10.05. - 18.09.2022

Unvollendet - die Faszination unfertiger Kunstwerke

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg - Prinzenpalais

Damm 1
26135 Oldenburg