Ab dem 4. Juni 2022 zeigt das Museum Barberini die Ausstellung Die Form der Freiheit. Internationale Abstraktion nach 1945. Sie widmet sich den beiden wichtigsten Strömungen der Abstraktion nach Ende des Zweiten Weltkriegs: dem Abstrakten Expressionismus in den USA und der informellen Malerei in Westeuropa. Als erste Ausstellung erkundet Die Form der Freiheit diesen transatlantischen Dialog der Kunst von Mitte der 1940er Jahre bis zum Ende des Kalten Krieges. 

Gezeigt werden rund 100 Arbeiten von über 50 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Sam Francis, Helen Frankenthaler, K. O. Götz, Georges Mathieu, Lee Krasner, Ernst Wilhelm Nay, Mark Rothko, Jackson Pollock, Judit Reigl und Clyfford Still. Die Leihgaben kommen aus mehr als 30 internationalen Museen und Privatsammlungen, darunter der Kunstpalast Düsseldorf, die Tate Modern in London, das Museo nacional Thyssen- Bornemisza in Madrid, das Metropolitan Museum of Art und das Whitney Museum of American Art in New York, das Centre Pompidou in Paris, die Peggy Guggenheim Collection in Venedig sowie die National Gallery of Art in Washington, D.C. 
Nach der ersten Station in Potsdam wird die Ausstellung an der Albertina modern in Wien sowie dem Munchmuseet in Oslo zu sehen sein. 
Ausgangspunkt für die Schau im Museum Barberini ist die Sammlung Hasso Plattner, die bedeutende Arbeiten von Norman Bluhm, Sam Francis und Joan Mitchell umfasst. 

Der Zweite Weltkrieg war ein Wendepunkt in der Entwicklung der modernen Malerei. Die europäischen Avantgardekünstler im amerikanischen Exil machten New York neben Paris zu einem Zentrum der Moderne, das neue Maßstäbe setzte. 

Ab Mitte der 1940er-Jahre wandte sich in den USA wie in Europa eine junge Künstlergeneration von den dominanten Stilrichtungen der Zwischenkriegsjahre ab: Statt figürlicher Malerei oder geometrischer Abstraktion verfolgte sie einen gestisch-expressiven Umgang mit Form, Farbe und Material, dessen radikal experimenteller Charakter eine Entgrenzung des traditionellen Malereibegriffs war. Künstlerinnen und Künstler wie Jackson Pollock, Lee Krasner, Willem de Kooning, Franz Kline, Hans Hofmann und Joan Mitchell fanden im Action-Painting eine intersubjektive Ausdrucksform, während Mark Rothko, Barnett Newman, Adolph Gottlieb, Robert Motherwell und Clyfford Still mit dem Color Field Painting eine Form der malerischen Überwältigung entwickelten. 

Zeitgleich zum Abstrakten Expressionismus in den USA setzten sich europäische Künstler in Paris und anderen Metropolen mit neuen Gestaltungsformen, Materialien und Texturen auseinander. Die Bezeichnung der neuen malerische Tendenz als Informel verweist auf die „formlos“ ungebändigte Ästhetik. Die Werke von Georges Mathieu, Antoni Tàpies, Pierre Soulages, Wols, Jean Fautrier und Jean Dubuffet markierten einen Bruch mit der kunsthistorischen Tradition. 

Ab Mitte der 1950er-Jahre wurde auch Westdeutschland mit Künstlern wie K.O. Götz, Gerhard Hoehme, Bernard Schultze, Winfred Gaul, Ernst Wilhelm Nay und Fritz Winter zu einem Zentrum der europäischen Nachkriegsabstraktion, das enge Kontakte mit Frankreich und den USA hielt. Die documenta II von 1959 feierte Werke der informellen Malerei und des Abstrakten Expressionismus als Ausdruck einer neuen, universellen Bildsprache, die den politischen Zusammenhalt der westlich-liberalen Staaten kultur-historisch untermauern sollte. In der Bundesrepublik wurde die radikale Abstraktion als neue Norm der Avantgardemalerei gewertet, die als Gegenmodell zum Sozialistischen Realismus in der DDR sowie den ästhetischen Prinzipien des Nationalsozialismus galt. 

Abstrakter Expressionismus in den USA und Informel in Europa galten als eigenständige, separate Entwicklungen – eine geographische und kulturelle Trennung, die den engen Austausch zwischen den Bewegungen verkennt. Die Form der Freiheit zeigt jetzt Intensität und Nachhaltigkeit des transatlantischen Austauschs. 

Mit Werken von Jean Degottex, Simon Hantaï, Manolo Millares, Theodoros Stamos und Jack Tworkov gelangen auch weniger bekannte Künstler in den Blick. Darüber hinaus verdeutlicht die Ausstellung den lange ignorierten Einfluss von Künstlerinnen wie Mary Abbott, Janice Biala, Natalia Dumitresco, Perle Fine, Helen Frankenthaler, Lee Krasner, Joan Mitchell, Judit Reigl, Deborah Remington, Janet Sobel, Hedda Sterne und Maria Helena Vieira da Silva. 

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, Potsdam: 
Aus den Bildern der Ausstellung spricht das ungeheure Verlangen nach künstlerischer Freiheit, das sich nach 1945 auf beiden Seiten des Atlantiks Bahn brach. Die Sammlung Hasso Plattner mit wichtigen Werken von Norman Bluhm, Joan Mitchell und Sam Francis war für uns der Ausgangspunkt. Das Konzept unseres Kurators Daniel Zamani war so überzeugend, dass die Albertina modern in Wien und das Munchmuseet in Oslo die Ausstellung übernehmen. Ich freue mich über diese europäische Kooperation.“ 

Angela Stief, Direktorin der Albertina Modern, Wien: 
„Wien war aufgrund seiner Lage einer der zentralen Schauplätze des Kalten Krieges. Die Auseinandersetzung mit künstlerischer Freiheit und den Möglichkeiten individuellen Ausdrucks, die dies- und jenseits des Atlantiks stattfanden, stehen uns heute wieder als hochgradig relevant vor Augen. In Wien zeigen neben Namen wie Jackson Pollock, Mark Rothko, Joan Mitchell und Helen Frankenthaler Künstlerinnen und Künstler wie Maria Lassnig, Arnulf Rainer und der jüngst verstorbene Hermann Nitsch, wie diese Auseinandersetzung mit den internationalen Entwicklungen in Österreich stattfand. Einen Schwerpunkt legen wir in der Albertina Modern außerdem auf Künstlerinnen, die mit der Nachkriegsabstraktion assoziiert werden.“ 

Stein Olav Henrichsen, Direktor des Munchmuseet, Oslo: 
„Der Neubau unseres Museums, der im Oktober letzten Jahres eröffnet wurde, bietet uns wunderbare Möglichkeiten, die oft großen, visuell überwältigenden Formate der abstrakten Künstlerinnen und Künstler in Szene zu setzen. Wir sind schon jetzt voller Vorfreude, den Menschen in Oslo und unseren zahlreichen internationalen Gästen diese herausragenden künstlerischen Positionen im Frühjahr 2023 zeigen zu können. Ganz besonders freuen wir uns, unsere enge Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini an der für 2023 geplanten Munch-Ausstellung mit diesem weiteren Ausstellungs-projekt noch weiter auszubauen.”