Das Haus am Kleistpark zeigt eine Retrospektive zum Lebenswerk des großen Fotoenthusiasten und Verlegers Hansgert Lambers. In den Bildern aus sieben Jahrzehnten, die Lambers in Barcelona, Berlin/DDR und West-Berlin, London, Ostrava, Paris, Prag aufgenommen hat, ist ein von Humanismus und Neugier geprägtes Interesse an Menschen spürbar. Seine Motive zeigen eine in zu großen Teilen verschwundene Welt, die heute vielfach überbaut und überschrieben ist.

Das Glück, die Erotik, die Traurigkeit und die Mühsal des Lebens finden sich
als zur Conditio humana gehörige Daseinszustände in seinem Werk. Ob seine Fotografien die Diskrepanz zwischen der Anonymität von riesigen Wohnanlagen und der einsamen Präsenz eines spielenden Kindes oder das intime Glück in einer eher unwirtlichen Umgebung in Ostrava in der ehemaligen CSSR einfangen – seine Bilder erzählen Geschichte, die sich in den Köpfen der Betrachter_innen entfalten.

Hansgert Lambers hat sich nie beruflich der Fotografie verschrieben. Obgleich
er fast sein ganzes Leben lang fotografierte, ist sein Werk für viele noch zu entdecken. Die ersten Aufnahmen machte er im Alter von 14 Jahren, mit 19 besaß er die erste Leica. Lambers bezeichnet sich als „Liebhaber der Fotografie“ und widmet sich ihr nicht nur als Fotograf, sondern auch als Verleger und Rezensent. Als Autor wollte er stets ausschließlich seine Bilder machen. Im Zentrum seines fotografischen Interesses stehen die Menschen, vorwiegend in den Städten. Lambers‘ Beruf als Beschäftigter der IBM führte ihn auch in sozialistische Staaten, wo er vor allem in der CSSR viel fotografierte. Als Verleger wurde er u.a. mit dem Buch „DDR Frauen fotografieren“ (1991) bekannt, das er gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Gabriele Muschter herausbrachte.

Zur Ausstellung erscheint eine Monografie bei FOTOHOF Salzburg, sowie ein 32-minütiges filmisches Portrait über Hansgert Lambers.
Kuratiert von Matthias Reichelt.


Hansgert Lambers, geboren 1937 in Hannover; 1957 Studium in Berlin (Dipl.Ing.); 1965–1993 Systemberater bei IBM, davon sechs Jahre in Osteuropa; fotografiert seit 1951, ab 1956 mit der Leica. Bild- und Textveröffentlichungen zur Fotografie; ab 1974 Ausstellungen seiner Fotografien u.a. in Berlin, Hannover, Klimkovice (Tschechien), Lwowek Slaski (Polen), Moravska Trebova (Tschechien), Ostrava (Tschechien), Tallinn (Estland), Toronto (Kanada) und Wien; außerdem Kuratieren von Ausstellungen und 1986 Gründung des Verlags ex pose (www. expose-verlag.de); lebt in Berlin.