Wegen ihrer Kunst musste Kubra Khademi (* 1989, Provinz Ghor, Afghanistan) 2015 aus ihrer Heimat fliehen. Mit „Kubra Khademi – Political Bodies“ (25.06.–11.09.2022) präsentiert das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern das ausdrucksstarke wie kontroverse Werk der feministischen Künstlerin und Performerin weltweit erstmals in einer musealen Einzelausstellung.

Eine nackte Frau teilt das Meer, ein ausschließlich weiblich besetztes Parlament fordert (politische) Teilhabe, und Militärjacken mit Geschichte(n) laden das Publikum zum Anprobieren und Erkunden ein: Kubra Khademi konzentriert sich auf Fragen der weiblichen Identität in einer männerdominierten Gesellschaft, der Fluchterfahrung und des feministischen Widerstands im Exil. Bei Khademi hat Kunst stets politische Dimensionen. Vor allem in Malereien auf Papier zeigt sie oft humorvoll, ganz selbstverständlich und doch für viele provokativ den unbekleideten weiblichen Körper in all seinen Facetten. Und ihre eindrücklichen Performances, die eigene körperliche Erfahrung thematisieren, üben eine starke emotionale Wirkung auf ihr Publikum aus. In jüngster Zeit arbeitet Khademi vermehrt auch mit fotografischen Techniken und Stickereien. In emanzipatorischer Absicht und einer Bildsprache, die für den afghanischen Kontext revolutionär ist, bricht sie mit etablierten Sichtweisen – und irritiert damit auch den sogenannten westlichen Blick. Inspiriert von Motiven aus Religion, Mythologie und Politik erforscht sie ihre Biografie und drängt auf gesellschaftlichen Wandel. So knüpft sie an universell feministische Begehren an und kämpft derzeit besonders für aufs Neue infrage gestellte Grundrechte von Frauen in Afghanistan.

Ihre Intention und Arbeitsweise beschreibt Khademi treffend mit den Worten: „Meine Arbeit entsteht tief in meiner Lebensgeschichte. Mein Körper ist das Persönlichste, das ich mit mir trage. Alles kommt von dieser Existenz, die nicht existieren sollte, die malträtiert wurde, weil sie weiblich war. […] Ich arbeite mit meinem Körper und male Frauenkörper, die meist nackt sind, weil ich maximal auf ihrer weiblichen Identität insistieren möchte. Sie sind triumphierend und sehr präsent.“

Kubra Khademi studierte Bildende Kunst an der Universität Kabul, Afghanistan, und der Beaconhouse National University in Lahore, Pakistan. Nach der Aufführung ihrer öffentlichen Performance „Armor“ im Jahr 2015 in Kabul war Khademi gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen. In Frankreich wurde ihr politisches Asyl gewährt, 2020 die französische Staatsbürgerschaft. Für ihre Arbeit erhielt die in Paris lebende Künstlerin u. a. vom französischen Kulturministerium den Titel Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres (2016), ein MFA-Stipendium der Universität Panthéon-Sorbonne (2016) und eine von der Salomon Foundation geförderte Künstlerinnenresidenz in New York (2021/22). 

Khademis Werke waren u. a. in Gruppenausstellungen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (2022), im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (2021), der Bangkok Art Biennale in Thailand (2020), im Queens Museum & Knockdown Center in New York (2018) und im Musée National de l'Histoire de l'Immigration in Paris (2017) vertreten. Ihre grafischen und plastischen Werke repräsentiert die Galerie Eric Mouchet in Paris, ihre Performances Latitudes Contemporaines in Lille.

Die monografische Ausstellung im Museum des Bezirksverbands Pfalz (Erwähnung bereits u. a. F.A.Z, 14.10.21, und SZ-Magazin, 4.8.22) stellt eine Auswahl neuer, noch nie gezeigter Arbeiten der aufstrebenden Künstlerin im Kontext ihres bestehenden Œuvres vor. Dabei bietet sie mit ca. 50 Kunstwerken (Malerei, Objekte, multimediale und fotografische Arbeiten, Textil und Performances, ergänzt von Audio- und Video-Kontextexponaten) in drei Ausstellungsräumen einen breiten Einblick in das facettenreiche Schaffen von Kubra Khademi. Die Werkschau mit vielfältigem Begleitprogramm und mehrsprachigem Ausstellungskatalog lädt zur thematischen Auseinandersetzung und zum Austausch ein. Ihr Titel „Kubra Khademi – Political Bodies“ reflektiert verschiedene Dimensionen der Politisierung des (weiblichen) Körpers in den Werken: Er verweist auf das Politisieren des weiblichen Körpers im Kampf für (und gegen) Geschlechtergerechtigkeit; auf den konkreten Einsatz des nackten weiblichen Körpers in der Kunst als feministisch-politisches Mittel; und nicht zuletzt auf die Politisierung (afghanischer) Migration und Identität.

Ausstellung und Katalog werden durch die Unterstützung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, der Freunde des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern, der ZukunftsRegion Westpfalz e.V., des Institut français Deutschland, des Gleichstellungsbüros des Bezirksverbands Pfalz, des Rotary Club Kaiserslautern-Sickinger-Land, von G&M Systemtechnik und der Galerie Eric Mouchet ermöglicht.

Publikation
Begleitend zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein gleichnamiger dreisprachiger von Hanna G. Diedrichs genannt Thormann herausgegebener Katalog (de/en/fr). Das Buch versammelt auf ca. 160 Seiten rund 100 Arbeiten von Kubra Khademi und leistet mit Aufsätzen namhafter Autor*innen wie Philippe Dagen (Frankreich) und Salima Hashmi (Pakistan) sowie einem Interview mit der Künstlerin durch Bettina Wohlfarth (Frankreich) eine erste kunsthistorische Einordnung des Œuvres der Künstlerin. Das Buch erscheint vsl. im Juli 2022 und kann im Museumsshop, im Buchhandel und über den Verlag zum Preis von 29,90 Euro bestellt werden.


Öffnungszeiten:
Dienstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Mittwoch - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: mpk.de

Kubra Khademi, Like a wave in this slope © Kubra Khademi
25.06. - 11.09.2022

Kubra Khademi: Political Bodies

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Museumsplatz 1
67657 Kaiserslautern