"Glamour Studio" zeigt Fotografien international renommierter Künstlerinnen zum Thema Mobilität und ihre Inszenierung aus eigenem Bestand. Den Ausgangspunkt bildet die 70 arbeiten umfassende Schenkung der Sammlung AutoWerke der BMW Group im Jahr 2005. Die Auftragsarbeiten der in Themensetzung, ästhetischer Formulierung und Bildfindung freien Fotografinnen bilden ein breites Spektrum  subjektiver Sichten auf die (auto)-mobilisierte Gesellschaft. Es sind künstlerische Analysen, die Aura und Mythos des Automobils wieder Mobilität beleuchten und uns zugleich, ein knappes viertel Jahrhundert nach ihrer Entstehung, den gesellschaftlichen Wandel verdeutlichen. Diskurs im hinzu aktuell von allen Generationen intensiv behandelten Themen wie Fortbewegung, Produktionsbedingungen, Klimawandel, Identität und Freiheit eröffnet sich. Gleichzeitig sind Arbeiten wieder zu entdecken, die den Blick aus dem Auto auf die Gesellschaft, ihre sozialen Herausforderungen und hohen Freiheiten sowie paternalistische Strukturen lenken.

Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten von BMW haben mehrere Künstlerinnen als Thema gewählt: Rineke Dijkstra (*1959 Sittard, Niederlande) zeigt überlebensgroße Portraits junger Auszubildender im BMW-Werk München. Die Fotografin konzentriert sich auf ihre Gesichter und Oberkörper. In einem neutralen, nicht näher definierbar im Raum werden die jungen Männer trotz äußerliche Gemeinsamkeiten als Einzelpersönlichkeiten vorgestellt. Sharon Lockhart (*Norwood/ Massachusetts, USA) richtet die Kamera auf dem Arbeitsort und die dort tätigen Arbeiterinnen. In ihremn Produktionsstätten in Berlin, Spartanburg/USA und Toluca/Mexiko präsentieren sich die Werktätigen frontal in Werkkleidung wie auf einer Bühne. Candita Höfer (*1944 Eberswalde) widmet sich den Menschen leeren Innenräumen des Münchner Hauptbergs. Maschinen heilen verschiedene Werk Preise zeigen eine geordnete Industrie Bild, die jeweils zu einem abstrakten Interieur wird. Die Existenz von Mitarbeiterinnen offenbart sich nur in Spuren menschlicher Präsenz. Gilian Wearing (*1963 Birminham, Großbritannien) hinterfragt den Mythos der Marke BMW. Sie sucht per Anzeige BMW Besitzerin oder Fans, die ihr ein persönliches Bekenntnis per Brief vermarkten. Aus den vieln Einsendung wählte sie drei aus, besuchte und fotografiert die Verfasserinnen. Die Obsession und privaten Beweggründe Kellnerinnen werden in den Briefen deutlich. Glenn Legion (*1968 Remscheid) beobachtete die Arbeitsabläufe der Mitarbeiterinnen im amerikanischen Werk Spartanburg. Seine kleinteiligen Fotografieren verknüpft er mit Interviews, die Auskunft über das Selbstverständnis der Arbeiterinnen geben.

Wolfgang Tillmans (*1968 Remscheid) fokussiert seinen Blick auf ästhetische Details und die Materialität des Fahrzeugs. Regentropfen schimmern auf der glatten, glänzenden Oberfläche. Die Natur scheint im Zusammenspiel mit dem lackierten Gehäuse filigrane, ReliefartigeKunstform zu produzieren. Thoma Struth (*1954 Gerldern/Nierrhein) lenkt den Blick auf den Verkehr, die Dominanz der Straße und die damit verbundenen Eingriffe in Stadt und Landschaft. Sein Bild einer Straße im chinesischen Viertel von San Francisco fordert den genauen Blick. Mit ihm lassen sich in dem asiatischen anmutenden Straßenbild, das von chinesischen Schriftzeichen dominiert zu sein scheint, auch englische Straßenschilder erkennen. Damit thematisiert Struth im Bild eines kleinen Straßenabschnittes Heimat, Identität, Migration und Gesellschaft. Die Monumentalität der Natur wird von vielen Menschen nur noch mit dem Auto erfahrbar. Das Bergmassiv El Capitan im Yosemite Nationalpark scheint in Struths Arbeit die Kulisse eines Roadmovies zu sein, gleichzeitig für die Domestizierung der Natur durch den Menschen sichtbar.

Die Straße als Ort des Verbrechens ist Thema für Paul Seawright (*1965 Belfast, Nordirland). Der Fotograf begleitete zwei Wochen Polizistinnen in Johannesburg in ihrem Sondereinsatzfahrzeug. Ihren Alltag - Verhörer durchführen, Fingerabdrücke nehmen, Raubüberfälle dokumentieren oder Spuren sichern - wird durch großformatige Detailaufnahmen eindringlich festgehalten. Die 1998 entstanden Fotografien, die unter anderem die blutfleckte Hand eines Schwarzen Menschen zeigen, der in einem Schusswechsel von einem Polizisten erschossen wurde, halten Indizien eines nicht näher identifizierbaren Tathergangs fest, der an dramatischer Aktualität nichts verloren hat. In klassisch anmutenden Posen fotografiert Tom Hunter (*1965 Bournemouth, Großbritannien) die Globetrotter der 1990er Jahren: jugendliche Raver, die Hunter auf ihren weltweiten Reisen begleitet. Bridget Smith (*1966 Leigh-on-Sea, Großbritannien) wirft einen Blick auf menschliche Sehnsüchte und Träume fern der Autowelten. Für  ihre Serie "Glamour Studio" besuchte sie Fotokulissen in britischen Provinzstädten, vor denen sich Menschen in der von Ihnen gewünschten Rolle fotografieren lassen können. Ein Reitstall und scheinbar mondänes Mobiliar sind beliebige Wunschszenarien glänzender Zeiten.