Die deutsch-schweizerische Malerin Ottilie W. Roederstein (1859–1937) gehörte zu den herausragenden Künstlerinnen der Zeit um 1900. Nach Ausbildungsstationen in Zürich, Berlin und Paris lebte sie ab 1891 in Frankfurt am Main. 1909 ließ sie sich mit ihrer Lebenspartnerin, der Gynäkologin Elisabeth Winterhalter, im benachbarten Hofheim am Taunus nieder. Als freischaffende Porträtmalerin behauptete sie sich im männlich dominierten Kunstbetrieb und setzte sich selbstbewusst über die vorherrschenden gesellschaftlichen Normen hinweg. Ihr facettenreiches Werk spiegelt zahlreiche Tendenzen der Moderne wider: von der akademischen Kunst über Experimente mit der altmeisterlichen Temperamalerei bis hin zu impressionistischen, symbolistischen und neusachlichen Stilelementen. Heute ist die Malerin trotz ihrer regen Ausstellungstätigkeit und ihres einstigen Renommees nahezu unbekannt. Das Städel Museum widmet Ottilie W. Roederstein eine umfassende Retrospektive, die mit 75 Gemälden und Zeichnungen einen konzentrierten Überblick über die künstlerische Entwicklung der stilistisch vielseitigen Malerin gibt. Die Grundlage bildet die Sammlung des Städel Museums, die mit 28 Werken der Künstlerin neben dem Stadtmuseum Hofheim am Taunus und dem Kunsthaus Zürich über einen der bedeutendsten Bestände verfügt.

Das Schaffen Roedersteins ist von der Geschichte des Städel Museums und der Stadt Frankfurt nicht zu trennen. Ihre eigenen Werke fanden schon zu Lebzeiten Eingang in die Sammlung und nur wenige Meter lagen zwischen ihrem Atelier in der Städelschule und dem Museum. Anhand einer Fülle von historischen Fotografien, Dokumenten und Briefen beleuchtet die Ausstellung auch Roedersteins Rolle als einflussreiche Netzwerkerin und Lehrerin.