Schon vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wurden im 15. Jahrhundert die ersten Techniken zum Drucken von Bildern entwickelt. Den Anfang machte der Holzschnitt, bald gefolgt vom technisch aufwendigeren Kupferstich. Dieser entstand um 1430/40 aus der Gravierkunst der Goldschmiede und bot nicht nur ein weiteres Verfahren zur Vervielfältigung religiöser oder profaner Bilder, sondern eröffnete auch neue gestalterische Möglichkeiten. Der Meister E. S. (tätig 1440/50–1467) etwa entwickelte früh eine systematische grafische Sprache, deren Ziel es war, mit der Qualität von Malerei zu rivalisieren. Martin Schongauer (um 1445–1491) perfektionierte dieses Vorbild zu technisch und künstlerisch hochentwickelten Meisterwerken. Die von der Romantik geprägte Kunstwissenschaft des 19. Jahrhunderts war von der als unmittelbar und ursprünglich wahrgenommenen Schönheit der frühen Kupferstiche bezaubert; im Städel Museum trug der Sammlungsinspektor Johann David Passavant um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Bestand dieser oft nur in wenigen Abzügen erhaltenen Grafiken zusammen. Vom 28. September 2022 bis zum 8. Januar 2023 präsentiert das Städel Museum aus seiner Sammlung eine Auswahl von besonders qualitätsvollen und seltenen Werken. Außer dem Meister E. S. und Martin Schongauer sind zahlreiche weitere Kupferstecher vertreten, etwa der Meister mit den Bandrollen, der Meister bxg, der Meister AG, Wenzel von Olmütz, der produktive Israhel van Meckenem und andere mehr. Den Abschluss bilden einige der frühesten, kurz vor 1500 entstandenen Kupferstiche von Albrecht Dürer.