Im Dieselkraftwerk Cottbus des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK) startet am 4. September 2021 die neue Ausstellung „Sven Gatter. Echo Tektur – Ruinen und Modelle“. Bis zum 21. November 2021 sind unter anderem 28 Schwarz-Weiß-Fotografien und 4 Risografien des Künstlers Sven Gatter zu sehen, der sich seit einem Stipendienaufenthalt im Brandenburgischen Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf verschwindenden Architekturen im ländlichen Raum widmet. Die in dieser Auseinandersetzung entstehende Werkreihe nennt er „Echo Tektur“. Die Ausstellung im BLMK stellt erstmals einen repräsentativen Ausschnitt dieses Werkkomplexes vor. Die Schau bildet den Auftakt zu weiteren, in Kürze startenden Ausstellungen des BLMK zum Thema Strukturwandel im Dieselkraftwerk Cottbus und der Rathaushalle Frankfurt (Oder).

Zu „Echo Tektur“ gehören mehrere Gruppen von Schwarz-Weiß- und Farbfotografien, die die ruinenartigen Reste von aufgegebenen Ziegelsteingehöften, Gasthöfen, kleineren Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben sowie das in ihnen zurückgelassene Inventar zeigen. Seinen Bildgegenstand macht Sven Gatter dabei nur fragmentarisch sichtbar, wodurch eine konkrete Verortung der festgehaltenen Objekte und Szenerien unmöglich wird. Stattdessen treten ihre Erscheinungsformen und Ordnungen in den Vordergrund.

In die Werkreihe sind auch Fotografien von Architekturmodellen und Materialkonstellationen integriert, die der Künstler im Lehrbauhof Großräschen (Niederlausitz) gefunden oder wahlweise im eigenen Atelier inszeniert hat. Die so herbeigeführte Konfrontation der Sujets Ruine und Modell begreift Sven Gatter als eine Metapher für die ambivalenten Phänomene, von denen Transformationsprozesse stets begleitet sind: Zerstörung und Neuinterpretation, existentielle Bedrohung und spielerische Anverwandlung, Frust und Lust. Zugleich will er sie als Projektionsfläche für all die offenen Fragen, die den strukturellen Wandel von ländlichen Regionen begleiten, verstanden wissen.

Begleitet und gefördert wird diese Präsentation durch das Potsdamer Institute For Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS).

Sven Gatter wurde 1978 in Halle (Saale) geboren und ist in der ostdeutschen Industriestadt Bitterfeld aufgewachsen. Nach einem Studium der Angewandten Sozialwissenschaften in Erfurt und dem zeitweiligen Besuch der Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig sowie einem Gastaufenthalt an der Bauhaus-Universität in Weimar entwickelte Gatter als Autodidakt seine künstlerische Praxis. Seither setzt er sich vor allem mit Strukturwandelregionen in Ostdeutschland auseinander. Zudem engagiert er sich bei Perspektive hoch 3 e. V. für Kunst- und Kulturprojekte sowie Bildungs- und Wissenschaftsformate, mit denen das Erwachsenwerden unter den besonderen historischen Bedingungen des Zusammenbruchs der DDR und der sich anschließenden deutschen Wiedervereinigung erforscht werden. Sven Gatter lebt und arbeitet in Berlin und im brandenburgischen Treuenbrietzen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Sven Gatter, aus der Reihe „Echo Tektur“: Ruinen/Modelle XXIII, 2018-2021 © Sven Gatter
04.09. - 21.11.2021

Sven Gatter: Echo Tektur – Ruinen und Modelle

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Dieselkraftwerk

Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus