Die Ausstellung "FUGE. Zwischen übermorgen und gestern" des interdisziplinären Netzwerks INTER– greift das Prinzip der Fuge als Methode des Einfügens und Verbindens auf, um das Verhältnis von Individuum und Gruppe in der Ausstellungsproduktion zu verhandeln. Die Fuge verweist auf die Mehrstimmigkeit des Netzwerks: die verschiedenen Kontexte sowie künstlerischen oder theoretischen Disziplinen der einzelnen Akteur*innen.

In der Musik beschreibt die Fuge ein musikalisches Prinzip der Komposition, das auf dem Konzept der Polyphonie oder Vielstimmigkeit basiert: Ein polyphones Musikstück bildet einen gemeinsamen Klangkörper aus mehreren Stimmen, die ohne Hierarchien nebeneinander existieren. In der Fuge bleibt jede Stimme in ihrer eigenen Färbung wahrnehmbar und kann gleichermaßen in den Vordergrund treten.

Für die Ausstellung entwickelten die neun Künstler*innen, Designer*innen und Theoretiker*innen unterschiedlichster Disziplinen ortsspezifische Arbeiten, die sich in die architektonischen und inhaltlichen Zwischenräume des Museums einfügen: Mal greifen sie Bildfragmente aus historischen Werken der Sammlung auf, um sie weiterzuentwickeln, zu entfremden oder neu zu interpretieren; mal tauchen sie unerwartet in den Gängen oder Ecken der Museumsräume auf und ein anderes Mal dienen sie der Öffnung der Museumsräume zum urbanen Raum, zur Teilhabe oder Versammlung. Als Intervention in die historische Sammlung lässt die Ausstellung verschiedene Zeitlichkeiten verschwimmen.

Gleichzeitig ist "FUGE", die als dritte Ausstellung in Folge über die Plattform nextmuseum.io für das Museum Ulm kuratiert wurde, ein Plädoyer für Durchlässigkeit und Vielheit anstelle von Geradlinigkeit und Stringenz; ein Raum für freie Imagination und Partizipation: Objekte können beklettert, benutzt oder gar mitgenommen werden, eine Installation und einer kollaborative Bibliothek laden ein, die Inhalte der Ausstellung zu vertiefen und zu diskutieren. Vor allem aber ist "FUGE. Zwischen übermorgen und gestern" ein Ort für alle, die nach langer Zeit wieder an einem Ort verweilen und sich austauschen möchten.

Die 2019 gegründete Netzwerkinitiative INTER– erprobt neue Arbeitsmodelle in der Ausstellungspraxis und agiert dabei stets unter dem spezifischen Begriff der Kollaboration als Form des gemeinschaftlichen Arbeitens. Sie schafft Raum für die Verbindung theoretischer, wissenschaftlicher und medienübergreifender Positionen in einer ensembleähnlichen kollaborativen Praxis. Ein interdisziplinärer Austausch und die Erprobung neuer Arbeitsweisen und Realitäten in der Kunstwelt sind damit die Hauptabsichten der Initiative. Die Betitelung INTER- benennt die konzeptuelle Ausrichtung des Projektes, welches sich zwischen den Disziplinen, zwischen Wissenschaft und Kunst sowie zwischen verschiedenen Standorten bewegt.

Mit Oliver Arendt I Neele Marie Denker I Anne Diestelkamp I Rike Droescher I Maryna Makarenko I LYCS Kollektiv I Philipp Christoph Mayer I Sabrina Podemski I Paulina Seyfried I Julian Westermann