Seit den 1980er Jahren ist Andrea Fraser dafür bekannt, Arbeiten zu schaffen, die soziale und psychologische Strukturen mit analytischer Schärfe, schneidendem Humor und Pathos befragen. Während Frasers Arbeit häufig mit kritischen Untersuchungen von Kunstinstitutionen assoziiert wird, widmen sich ihre Performances seit Mitte der 2000er Jahre der Erforschung von Schnittstellen zwischen soziopolitischen und psychologischen Strukturen sowie deren Rolle in der Produktion und Reproduktion von individueller Identität, Gruppenidentität und gesellschaftlichen Systemen. Frasers Einzelausstellung im Künstlerhaus Stuttgart stellt diese Untersuchungen anhand dreier auf Performances beruhenden Videoinstallationen in den Mittelpunkt: Projection (2008), Men on the Line: Men Committed to Feminism, KPFK, 1972 (2012/2014) und ihre neue zentrale Arbeit This meeting is being recorded (2021), eine achtundneunzigminütige Videoarbeit, die die Prozesse und Entstehung von Rasse, Gender und Alter innerhalb einer intergenerationalen Gruppe von sieben selbst als weiß identifizierten Frauen untersucht. 
 
Formal gesehen bilden die Arbeiten ProjectionMen on the Line und This meeting is being recorded zwar keine Trilogie. Sie sind jedoch klar durch ihren Prozess, ihre Methode und formale Strategie miteinander verbunden. Alle drei Arbeiten bauen auf der vielstimmigen Performance-Praxis auf, die Fraser seit den frühen 1990er Jahren entwickelt hat. Alle drei Arbeiten sind vor schwarzem Hintergrund aufgenommen und in Lebensgröße projiziert, um die Erfahrung des mit der Performerin in einem Raum Seins zu evozieren. Alle drei Arbeiten sind direkt in die Kamera performt, um Betrachter*innen in die Gespräche einzubinden. Alle drei Arbeiten beruhen auf Aufnahmen von Gesprächsformen mit hohem emotionalem Einsatz, die üblicherweise im Privaten stattfinden, die Fraser aber in den öffentlichen Raum verschiebt. Und alle drei Arbeiten beruhen auf Frasers Verständnis künstlerischer Performance als Praxis der Erfassung und Rahmung von Prozessen der Internalisierung und Projektion, der Inkorporation und Inszenierung, durch die sich das Soziale und das Psychologische bei der Produktion und Reproduktion von sozialer Identität, Gruppen und Institutionen überschneiden. In einer Kombination aus rigorosen Untersuchungen und intimer Selbstdarstellung untersucht Fraser, wie künstlerische, intellektuelle und politische Positionen von emotionalen Bedürfnissen angetrieben werden und wie psychologische Kräfte soziale und politische Strukturen sowohl formen als auch von ihnen geformt werden.
 
This meeting is being recorded: Andrea Fraser wird organisiert von der Kuratorin Rhea Anastas und Eric Golo Stone, dem künstlerischen Leiter des Künstlerhaus Stuttgart.