Bis zum 13. Februar 2022 präsentiert das Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) „Brennpunkt Asien. Europäische Reisediplomatie und Kolonialismus in Fernost”. Die illustrierten Berichte der europäischen Missionare, Kaufleute, Forscher und Abenteurer inspirierten im 17. und 18. Jahrhundert die Philosophen der Aufklärung, denn sie lieferten den Beweis, dass es im Fernen Osten hochzivilisierte Länder mit einer gebildeten Bevölkerung gab – in denen Religionsfreiheit ebenso wie die Verwaltung durch eine aus Prüfungen hervorgegangene Beamtenschaft selbstverständlich waren. Inquisition oder Religionskriege waren in China und Japan unbekannt. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) sah in China deshalb das „Europa des Fernen Ostens“, anders und fremd, aber ebenbürtig und gleichrangig.
Zu den am chinesischen Kaiserhof wegen ihrer wissenschaftlichen oder künstlerischen Fähigkeiten hoch respektierten Jesuitenmissionaren zählte der unweit von Köln geborene Adam Schall von Bell (1591-1666). Auch auf die Palastwerkstätten übten die Jesuiten großen Einfluss aus, davon zeugen Porträts, Emailarbeiten, rubinrotes Glas nach böhmischem Rezept und realistische Porzellanmalerei in Pastelltönen. Die europäisch-chinesische Zusammenarbeit am Kaiserhof führte zu bedeutenden künstlerischen und technischen Innovationen. Durch die europäischen Handelskompanien, die bei ihren Bestellungen von Exportporzellan oftmals Kupferstichvorlagen für den Dekor lieferten, wurde auch die Normalbevölkerung mit westlichen Themen, zum Beispiel Adam und Eva im Garten Eden, und mit westlichen Darstellungsmethoden wie der Linearperspektive vertraut.
Auf die Bewunderung für China folgten im 19. Jahrhundert Missachtung und Ausbeutung, die in Fotoalben und den Souvenirartikeln aus Kanton zum Ausdruck kommen. Nach den Opiumkriegen fiel China den Interessen der Kolonialmächte zum Opfer und erlebte nach mehr als zwei Jahrtausenden den Untergang seines Kaiserreichs.
Japan gelang es, sich rund 200 Jahre lang abzuschotten. Im 17. Jahrhundert verwies der Tokugawa Shogun die Portugiesen und Spanier samt Bibel und Feuerwaffen des Landes, denn er fürchtete, getaufte Feudalfürsten könnten sich mit Feuerwaffen ausgerüstet gegen ihn verbünden.
Der kostbare Gion-Stellschirm zeigt einen vereinzelten Portugiesen in einer Festparade in Kyoto, und die große Nanban-Lacktruhe verweist auf den Exporthandel mit den Ibero-Europäern. Fortan trieb Japan nur noch mit China und den Niederländern Handel; die Aneignung westlichen Denkens, westlicher Technologien und Darstellungsmethoden, erfolgte über das Studium von Büchern. Nach der erzwungenen Öffnung des Landes und den Reformen der Meiji-Periode stieg das Inselreich Ende des 19. Jahrhunderts selbst in die Reihen der imperialistischen Kolonialmächte auf. Davon zeugen die patriotischen Holzschnitt-Triptychen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 17:00 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat: 11:00 - 22:00 Uhr (ausgenommen Feiertags)
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: museum-fuer-ostasiatische-kunst.de