Francisco José de Goya y Lucientes (1746–1828) war ein brillanter Malerradierer. Seine zum Teil erst postum in Umlauf gebrachten Radierungen entfalteten eine große Wirkung. Auf diese Weise ließ sich Édouard Manet (1832–1883) in Bezug auf Themen, Motive und Technik von Goya inspirieren. Die Ausstellung „Goya und Manet“ stellt Werke der beiden Künstler einander gegenüber.

Die Kunst von Goya übte große Faszination auf Manet aus und so finden sich Motive von Goya in den Werken des Franzosen. Außerdem bewunderten beide Künstler Velázquez, nach dessen Gemälden sie jeweils frühe Radierungen schufen. Die direkte Gegenüberstellung der Radierkunst von Goya und Manet im Neuen Studiensaal deckt so erstaunliche Parallelen auf.

Der Alte Studiensaal ist ganz dem Maler-Radierer Goya gewidmet. Der Spanier hinterließ vier bedeutende druckgraphische Folgen, in denen er satirische Gesellschaftskritik übte, die Schrecken des Krieges dokumentierte, den Stierkampf feierte und dämonische Traumbilder schuf. Alle vier Folgen finden sich in der Sammlung der Kunsthalle Bremen. Sie werden seit Jahrzehnten erstmals wieder präsentiert.

Besondere Meisterschaft entwickelte Goya in der noch jungen Technik der Aquatinta-Radierung, deren malerische Wirkung er virtuos einsetzte, wie bei dem Blatt „Das Pferd als Entführer“ (ca. 1815–1819) aus dem Zyklus „Los Disparates“.

Werden Frauen in den „Caprichos“ eher negativ mit Lastern und Trieben in Verbindung gebracht, finden sich in den „Desastres“ und in der „Tauromaquia“ starke weibliche Protagonistinnen. Aufgrund der brutalen Schilderungen von Kriegsverbrechen durch Goya ist die Ausstellung im Alten Studiensaal nicht für Kinder geeignet.

Die Kabinett-Ausstellung speist sich mehrheitlich aus dem eigenen Bestand und versammelt 13 Radierungen von Manet und 39 von Goya. Der Großteil der ausgestellten Blätter gelangte aus dem Vermächtnis des bedeutenden Sammlers und ehemaligen Vorsitzers des Kunstvereins in Bremen H. H. Meier jr. (1845–1905) in die Sammlung der Kunsthalle Bremen. Darunter auch eine ebenso seltene wie wertvolle Erstausgabe der „Caprichos“ in Originalbindung. Sieben Leihgaben aus dem Stadtmuseum Oldenburg füllen einige der Lücken, die die zahlreichen Kriegsverluste auch in diesem Sammlungsbereich hinterlassen haben.

Die Ausstellung im Kupferstichkabinett „Goya und Manet. Revolutionäre Radierungen“
(23. Oktober 2021 – 27. Februar 2022) findet begleitend zur Sonderausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (23. Oktober 2021 – 27. Februar 2022) in der Kunsthalle Bremen statt.