Joseph Beuys, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, hat ein medial wie thematisch reiches Gesamtwerk hinterlassen. Zu ihm gehören neben den Zeichnungen, den Plastiken und Aktionen auch seine Editionen, die einen Sammlungsschwerpunkt des Kunstmuseums Bonn bilden und im Rahmen seines Schaffens eine wichtige Rolle spielen. In ihrem komplexen Mikrokosmos spiegeln sich nicht nur alle inhaltlichen Schwerpunkte seines Schaffens, sie fügen dem Werk auch noch eine besondere Qualität hinzu. In dem Maße nämlich wie diese Arbeiten in hoher Stückzahl hergestellt und preiswert abgegeben wurden, verlassen sie das Ghetto der Museumskunst, um im gesellschaftlichen Raum wirksam zu werden. Statt an ein exklusives Kunstpublikum richten sich die Botschaften der Multiples an jedermann, bildet die Gesellschaft ihren Resonanzraum. Hier will Beuys seine Ideen verankern und so scheint es, dass der große Kommunikator und Gesellschaftsreformer Beuys gerade in den Multiples zu sich selbst kommt.

Entsprechend lautet die klare Forderung der Multiples, uns auf den Weg in eine sozialere, gerechtere und nach ökologischen Prinzipien gestaltete Zukunft zu machen. All sein Denken ist auf eine solche Entwicklung und damit auf die Zukunft ausgerichtet und von daher behalten seine Themen auch heute noch ihre Aktualität und Relevanz. Sie harren der weiterführenden „Bearbeitung“ auch durch eine jüngere Künstler:innengeneration, die in der Ausstellung mit ihren Werken in einen differenzierten Austausch der Ideen tritt und so einen Diskurs eröffnet, der mal fortführend oder kontrovers, mal herausfordernd oder spannungsgeladen, aber immer auch eigenständig zu lesen ist, da er sich nicht rückbezieht, sondern im Heute, im Zeitgenössischen verankert ist.

So interagieren mit den drei im Beuys’schen Werk hervortretenden inhaltlichen Schwerpunkten der Ausstellung: Bild – Welt / Natur – Prozess / Sprache – Aktion, drei zeitgenössische Positionen: Katinka Bock, Christian Jankowski und Jon Rafman.

Obwohl es sich um absolut eigenständige Künstler:innenpersönlichkeiten handelt, lassen sich Berührungspunkte zu Ideen und Fragestellungen aufweisen, die auch Beuys bewegt haben. So entsteht ein komplexer, generationenübergreifender Dialog, in dem Impulse aufgegriffen und neu formuliert werden. Auch das mag die virale Kraft der Multiples, die Aktualität des Beuys’schen Denkens unter Beweis stellen: Beuys ist ein Künstler des 21. Jahrhunderts, ein Künstler der Zukunft.

Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms beuys 2021. 100 jahre joseph beuys, einem Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Die durch die Ausstellung verursachten CO2-Emissionen werden mit Unterstützung der Freunde des Kunstmuseums Bonn e.V. in Zusammenarbeit mit der Initiative Art to Acres ausgeglichen.

Joseph Beuys Capri-Batterie, 1985 Kunstmuseum Bonn © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: Reni Hansen
07.10.2021 - 09.01.2022

Passierschein in die Zukunft. Joseph Beuys, Katinka Bock, Christian Jankowski, Jon Rafman

Kunstmuseum Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn