Künstlerische Projekte, die Fragen nach Identität und Zugehörigkeit sowie nach sozialen, kulturellen und politischen Strukturen aufwerfen und es damit dennoch in den popkulturellen Referenzraum schaffen, sind das Markenzeichen der skandinavischen Künstler Elmgreen & Dragset (Michael Elmgreen, *1961 in Kopenhagen; Ingar Dragset, *1969 in Trondheim).

Prada Marfa, die maßstabsgetreue Nachbildung einer Boutique des Modeunternehmens Prada, die sie 2005 inmitten der texanischen Wüste errichteten, fügt sich nahtlos in den Deutungshorizont des Künstlerduos. Denn die Beobachtungen und Anmerkungen zu Ausgrenzung und Dazugehörigkeit, Oben und Unten, Arm und Reich, Sehen und Gesehenwerden, zur Konsumkultur sowie zur Privatisierung und Gentrifizierung des öffentlichen Raums sind Leitmotive von Elmgreen & Dragset.

Formal beziehen sie sich in ihren Skulpturen – trotz zahlreicher Anspielungen auf Sujets der Kunstgeschichte – häufig auf die Formensprache des Minimalismus. Durch die Einbeziehung von Alltagsobjekten, die ihren Werken eine erzählerische Dimension einhauchen, erzeugen sie jedoch Lebensnähe. Wenn sie in einem absurd zugespitzten Bild einen Geldautomaten in ein originales Betonsegment der ehemaligen Berliner Mauer einlassen und diesen »Durchbruch« als Statue of Libertybezeichnen, konterkarieren sie nicht nur das gängige Narrativ der Befreiung (von allem Übel), sondern kommentieren auch den »Ausverkauf von Geschichte und Stadt«. Und wenn sie in ihrer Adaptation-Serie Verkehrsschilder ihrer üblichen autoritären Ge- und Verbotsanweisungen berauben und ihnen stattdessen eine spiegelnde Oberfläche verleihen, geht damit eine unüberseh bare Aufmunterung für Betrachtende zur »Reflexion« und zum Vertrauen in die eigene Wahrnehmung einher.

In ihrer Balkon-Skulptur The Observer, die die Schwelle zwischen Privatheit und Öffentlichkeit gekonnt bespielt, beobachten wir hingegen einen Jedermann in legerem Freizeitlook dabei, wie er vom Balkon aus auf uns herabsieht. Auch wenn er emotional kaum beteiligt zu sein scheint, hat er sich offenbar eigens über das Geländer gebeugt, um zu sehen, was sich unter ihm ausbreitet. Der Ausgestellte wird so selbst zum Beobachter und der Balkon, einst bürgerliche Bühne, zur Chiffre einsamer Wohnzellen-Anonymität, die das Werk von Elmgreen & Dragset hier auf seltsam fesselnde Art und Weise zum Thema macht.

Für ihr »weniger von einer marktgängigen Handschrift als von einer menschlichen Haltung« geprägtes Gesamtwerk, das eine »hohe gesellschaftliche Relevanz« behauptet – so das Urteil der Jury –, hat die Stiftung Würth Elmgreen & Dragset den mit 50.000 Euro dotierten Robert Jacobsen Preis 2021 zugesprochen. Diese Auszeichnung wird seit 1993 im Andenken an den dänischen Bildhauer Robert Jacobsen (1912–1993) alle zwei Jahre von der Stiftung Würth vergeben.

Anlässlich der Preisvergabe präsentiert das Museum Würth 2 in Kooperation mit den Künstlern im Belvedere des Hauses und im Skulpturengarten um das Carmen Würth Forum in Künzelsau eine Werkschau des weltweit gefeierten Duos und begleitend erscheint im Swiridoff Verlag, Künzelsau eine Publikation.


Öffnungszeiten:
Oktober – März
Täglich: 11:00 - 18:00 Uhr 

April – September
Täglich: 11:00 - 19:00 Uhr

25. und 26. Dezember und 1. Januar: 12:00 - 17:00 Uhr 
24. und 31. Dezember geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunst.wuerth.com