Die Ausstellung ist nach einem auf Eigentum basierenden Blockchain-Protokoll benannt, auf das man verstärkt aufmerksam wurde, als dessen Bewerber in die Kritik gerieten, weil sein Output mit einem hohen Energieverbrauch verbunden ist. Proof of Stake untersucht, inwiefern als „technologisch“ verstandene Prozesse oder Objekte kulturelle Arbeit leisten, von Blockchain-Protokollen bis zu Verdinglichungspraktiken in Museen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wer das Moment des Technologischen für sich beanspruchen darf. Wobei dieser Anspruch oft damit einhergeht, dass man Prozesse als legitime oder natürliche ansieht, die man ebenso gut auch als politische verstehen könnte. Im Dialog mit Institutionen wie dem MARKK (Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt) entfalten Denny und seine Gesprächspartner, der Künstler Timur Si-Qin und Professor Timon Beyes (Leuphana Universität Lüneburg) sowie die oben genannten Künstler:innen, wer und was in diesen Legitimationsprozessen der Technologie eine Rolle spielt und wie sie mit Eigentum und Macht interagieren.

Unter den von Proof of Stake – Technologische Behauptungen präsentierten Kunstwerken sind Projekte, die sich kritisch mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, mit Blockchains Kunst zu machen. Darunter die gemeinschaftliche Beecoin-Initiative. Indem sie Blockchains in einen Dialog mit Bienenstöcken bringt, verbindet sie dezentrale Technologien und soziale, nicht-menschliche Formationen miteinander. Oder Sarah Friends Clickmine. In verschiedenen Kontexten entfaltet sie Extraktionsmechanismen mit Hilfe einer metaversen Simulation von Eigentum und Mine und gibt ERC-20-Tokens auf der Ethereum Blockchain heraus. Die Ausstellung umfasst auch Werke, die untersuchen, wer benachbarte Technologien wie KI, künstliche Intelligenz, gestaltet. Beispielsweise Stephanie Dinkins’ ikonische Conversations with Bina48, in der die Künstlerin Leerstellen erforscht, in denen ein humanoider Roboter „eine Untersuchung der Kodifizierung sozialer, kultureller und zukünftiger Geschichten an der Schnittstelle von Technologie, Rasse, Geschlecht und sozialer Gerechtigkeit“ vorlegt. Spezielle Auftragsarbeiten fügen sich thematisch in die Präsentation der bestehenden Kunstwerke ein und ergänzen sie. So eine Installation des Künstlers Timur Si-Qin, der Vitrinen aus den Ausstellungssystemen des MARKK (Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt) in neue Zusammenhänge stellt und auf diese Weise darüber nachdenkt, wie die technologische Klassifizierung von Objekten mit musealen Strukturen und deren kulturellen Normen verbunden ist. Kunstwerke von New Red Order und Krista Belle Stewart beziehen sich auf die Geschichte indigener Völker und stellen die Frage, wie sie in Deutschland und den Vereinigten Staaten in unterschiedlichen Kontexten institutionell repräsentiert werden. Dagegen zeigen Zeichnungen von Karamia Müller, wie standardisierte „Tech“-Werkzeuge, darunter die CAD-Programme von Architekten, über die Art und Nutzung von Raum entscheiden, weil sie bestimmte Formen schätzen und privilegieren und immer wieder schaffen.

Die erste mit dem Projekt verbundene Publikation, die am Eröffnungswochenende der Ausstellung erscheint, heißt Media Organize: A Companion to Technological Objects. Der von Timon Beyes, Simon Denny, Armin Beverungen, Lisa Conrad, Claus Pias und Bettina Steinbrügge herausgegebene Band versammelt 39 Untersuchungen über die Organisationskraft alltäglicher Objekte. Verfasst von Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Fachbereiche Kultur & Organisation sowie Medien und Digitale Kulturen der Leuphana Universität Lüneburg, untersuchen die Beiträge, wie man Objekte als technologische bestimmt und zur Organisation des Lebens einsetzt.

Die zweite Publikation, die 2022 erscheinen soll, wird die Dokumentation der gesamten Ausstellungsinstallation und einzelner Kunstwerke mit Beiträgen internationaler Wissenschaftler:innen und Wissenschaftler:innen zusammenführen, die ein von ihnen ausgewähltes technologisches Objekt beschreiben. Diese Objekte sind mit ihrer räumlichen Repräsentation in der Ausstellung verknüpft und einem Prozess, in dem Simon Denny NFT-Versionen der von den Autoren ausgewählten technologischen Objekte prägen lassen wird. Und zwar auf der auf Proof of Stake basierenden Plattform der „Tezos“-Blockchain Hic et Nunc. Sie werden den Wissenschaftler:innen als Teilvergütung und Anerkennung ihrer Arbeit geschenkt.

In Kooperation mit dem Centre for Digital Cultures, Leuphana Universität Lüneburg, dem Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt und der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

Kuratiert von Simon Denny und Bettina Steinbrügge

Die Ausstellung entsteht mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, Hubertus Wald Stiftung, hamburgerische kulturstiftung, HFBK Hamburg und Stiftung Kunstfonds.

Robert Alice, Mel Chin, Joshua Citarella, Simon Denny, Fang Di, Stephanie Dinkins, Disnovation, Sarah Friend, Isa Genzken, Holly Herndon / Mathew Dryhurst, Femke Herregraven, Mike Kelley, Josh Kline, Paul Kolling, Agnieszka Kurant, James Luna, Karamia Müller, New Red Order (NRO): Zack Khalil, Adam Khalil, Jackson Polys, Yuri Pattison, Timur Si-Qin, Jaune Quick-to-See Smith, Krista Belle Stewart, Paul Thek, Prateek Vjian, Luke Willis Thompson & Beecoin, ein Kooperationsprojekt zwischen The Hiveeyes Project (Clemens Gruber, Karsten Harazim), Nascent (Max Hampshire, Paul Seidler), Moabees (Bärbel Rothaar, Elisa Dierson, Katja Marie Voigt) und KUNSTrePUBLIK (Harry Sachs, Matthias Einhoff, Philip Horst)