Im Rahmen der Berlin Art Week widmen das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) dem deutschen Aktionskünstler und Zeichner Tomas Schmit (1943–2006) parallel zwei große Ausstellungen. Während sich der n.b.k. auf die Fluxus-Aktivitäten Schmits konzentriert, richtet das Kupferstichkabinett die erste Retrospektive seines zeichnerischen Werks in Berlin aus. Die rund 170 Exponate umfassende Ausstellung mit Werken aus eigenem Bestand, ergänzt durch herausragende Leihgaben, spiegelt das mannigfaltige Spektrum von Schmits nahezu 40 Jahre umfassender Sprach- und Zeichenkunst wider.

Als Performer und Organisator hatte Tomas Schmit an den Aktionen der europäischen Fluxus-Gruppe teilgenommen, bis sie sich 1964 allmählich aufzulösen begann. Ab 1966 widmete er sich vorrangig dem Schreiben und Zeichnen. Doch die Idee der Bühne als einem Ort, an dem eine Handlung vor und mit einem Publikum zur Aufführung gelangt, war damit nicht aus seiner Kunst verschwunden. Stattdessen avancierte nun das Zeichenpapier zum neuen Ort seines vom Fluxus durchdrungenen Credos „[...] sachen m a c h e n, eben nicht Sachen darstellen oder kommentieren oder schematisieren oder interpretieren, sondern m a c h e n“. Auf dem Papier inszenierte Schmit fortan „die Aufführung des Zeichnens“. Die enge Verzahnung von Aufführungs- und Zeichenpraxis, die Schmits gesamtes Schaffen kennzeichnet, wird erstmals in der Ausstellung des Kupferstichkabinetts in den Blick genommen.

Den Kern der Ausstellung bilden die Werke Schmits, die aus einer ereignishaften, Zufallsgeschehnisse integrierenden Zeichenpraxis hervorgegangen sind, wie dem Blindzeichnen. Ihnen ist das „sachen m a c h e n“ in besonderer Weise eigen. Umschlossen wird dieser thematische Fokus von einer chronologischen, alle Schaffensphasen des Künstlers umspannenden Werkpräsentation. Zu sehen sind Beispiele seiner frühen Aktionsliteratur wie auch die ab 1966 entstehenden Blei- und Buntstiftzeichnungen auf Papier, die Editionen der 1970er-Jahre, die durch Rechen- und Würfelspiele hervorgebrachten Zeichnungen der 1990er-Jahre, die späten Tuschezeichnungen auf Museumskarton ab 2003 sowie digitale Zeichnungen von 2004.

Ernsthaft und zugleich humorvoll, ging Schmit in seinem vielfältigen Werk, in seinen Aktionen, Büchern, Editionen und Zeichnungen, den Gesetzmäßigkeiten des Lebens nach, wobei er den Alltag betrachtete und weit darüber hinaus sein Augenmerk auf die Evolutionstheorie, auf Fragen von Bewusstsein und Wahrnehmung richtete. Stets begleitete und leitete ihn dabei die tief im Fluxus verwurzelte, mit den Jahren erweiterte Methode: nicht darstellen, nicht kommentieren oder imitieren, sondern „sachen m a c h e n“.

Die Ausstellung wird kuratiert von Jenny Graser, Kuratorin für zeitgenös- sische Kunst am Kupferstichkabinett.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Hatje Cantz Verlag mit Textbeiträgen von Jenny Graser, Dorothy Iannone, Kasper König, Stefan Ripplinger, Tomas Schmit und Annette Tietenberg, herausgegeben von Jenny Graser und in Zusammenarbeit mit Barbara Wien: ca. 300 Sei- ten, 180 Abbildungen. ISBN 978-3-7757-5126-1.

Während sich die Ausstellung im Kupferstichkabinett auf Schmits Arbeiten auf Papier konzentriert, werden die Fluxus-Aktivitäten des Künstlers paral lel in der Ausstellung „Tomas Schmit. Stücke, Aktionen, Dokumente 1962–1970“ im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) beleuchtet. Weitere Informationen auf der Website https://www.nbk.org


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum