Von 25. Juni bis Ende Oktober 2021 wird der Amtsteich vor dem Dieselkraftwerk zum ungewöhnlichen Ausstellungsort. Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) zeigt Chris Hinzes Installation „Schnittmeister“ vor seinem Cottbuser Standort ab Freitag, 25. Juni 2021. Das Kunstwerk wird nicht neben dem Teich, sondern förmlich im Teich steckend bzw. über der Wasseroberfläche schwebend präsentiert.

Vielfältige Wahrnehmungsebenen
Die für den Außenraum konzipierte Installation sieht auf den ersten Blick aus wie eine gigantische Wäscheleine, die zwischen zwei Holzpfähle gespannt ist und an der rotbraun gefleckte Textilstücke hängen. Auf den zweiten Blick wird klar, dass die überdimensionalen „Laken“ nicht aus Stoff sind, sondern aus großflächigen Stahlblechen bestehen. Dass die Installation an einen klassischen Wäscheplatz erinnert, ist kein Zufall. Chris Hinze verbindet hiermit nicht nur einen kommunikativen Ort seiner Kindheit, sondern setzt mit einem Augenzwinkern an den historischen Orten der Schwerindustrie der Hausarbeit als tradierter weiblicher Domäne ein Denkmal. Ein sensibles Gehör und eine entsprechende Windstärke sind die Voraussetzungen für eine akustische Wahrnehmung. Sobald die Natur in Form des Windes die rostigen Stahlbleche berührt und zum Schwingen bringt, erzeugen sie verschiedene Geräusche und Töne: vom leisen Sirren über ein fast melodisches Glissando, das dem einer singenden Säge ähnelt, bis hin zu einem leisen Knattern.

Der Titel der Arbeit verweist auf eine Methode der Herstellung einer Erzählung durch das Zusammenfügen von Fragmenten, ebenso wie er Auskunft über die Arbeit des Künstlers gibt, der wie ein Cutter im Film einzelne Teile zu einem Ganzen verbindet.

Zwischen Innenstadt, Industriekultur und Landschaftspark
Eine weitere Variante der Installation findet sich aktuell auf dem Gelände der Ziegelmanufaktur in Glindow, wo Chris Hinze aktuell lebt und arbeitet. Nun wird die Installation ein weiteres Mal im Außenraum gezeigt, genauer im Umfeld eines (ehemaligen) Industriedenkmals in Brandenburg. Lage und Bedeutung des ehemaligen Dieselkraftwerks Cottbus, das vor mehr als 15 Jahren zu einem Kunstmuseum transformiert wurde und heute einen Standort des Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) beherbergt, markieren eine urbane Schnittstelle zwischen Innenstadt, Industriekultur und Landschaftspark.

Am Rand des Goetheparks liegt der Amtsteich direkt vor dem heutigen Museumsgebäude und markiert den Anfang der Parkanlage, die sich in Richtung Spree schlängelt und in der südlichen Verlängerung in den Spreeauenpark sowie die Branitzer Parkanlagen übergeht.

Begleitende museumspädagogische Angebote
Während der Präsentationszeit im Amtsteich werden pädagogisch motivierte Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten, um spezifische Aspekte des Kunstwerks zu betonen, so u.a. ein Musikworkshop mit Recycling-Instrumenten und skulpturales Arbeiten mit wiederverwertbarem Material. Ebenso sind Veranstaltungen zu Themenfeldern wie „Industrie, Landschaft und regionale Identitäten“ vorgesehen.

Chris Hinze (geb. 1966 in Cottbus) ist seit mehr als 30 Jahren eine unübersehbare Größe im Kunst- und Kulturbetrieb Brandenburgs und darüber hinaus. Seine Reputation als Musiker, der solistisch sowie seit den 1980er Jahren als Bandmitglied von „Sandow“ unterwegs ist, ist ebenso relevant wie seine Position im Bereich der Bildenden Kunst. Sein bildnerisches und plastisches Werk weist vielfach methodische sowie thematisch- inhaltliche Schnittstellen zur Musik aus. Oft entwickeln sich skulptural-installative Werke mit ortsspezifischer Ausrichtung aus der konsequenten druckgraphischen Arbeit – ebenso wie häufig der umgekehrte Weg sichtbar wird. Immer erschließen sich im Oeuvre von Chris Hinze die Evidenz von Form und Material im Zusammenhang mit dem Produktions- und Präsentationskontext des jeweiligen Werks.

Die profunde Verwurzelung in der Subkultur der untergehenden DDR in den späten 1980er Jahren kennzeichnet Chris Hinzes Arbeit ebenso wie die Weiterentwicklung jener Grundhaltungen. Im Resultat entstehen nicht nur Werkkomplexe, die auf einfache und dennoch differenzierte Weise die Grenzen von Genres und Material ausloten, sondern trotz aller Kontextbezogenheit im höchstem Maße autonom sind. Jene Autonomie haftet jedoch nicht nur der Kunst, sondern vor allem auch dem Künstler an.
Die Präsentation des „Schnittmeister“ im Amtsteich läutet Chris Hinzes Übersiedelung in die Umgebung von Cottbus ein.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de

Chris Hinze vor seiner Installation Schnittmeister ©Marlies Kross
25.06. - 30.10.2021

Chris Hinze: Installation Schnittmeister im Amtsteich

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst - Dieselkraftwerk

Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus