In diesem Jahr erhält die junge südafrikanische Künstlerin Zandile Tshabalala (geb. 1999 in Soweto, lebt und arbeitet in Johannesburg) das Kaiserringstipendium. Der Verein zur Förderung moderner Kunst vergibt es seit 1984 an einen_e jungen_e Nachwuchskünstler_in. Es beinhaltet eine Ausstellung im Mönchehaus Museum parallel zu der Kaiserringausstellung, einen Katalog sowie einen Ankauf.

Die Ausstellung ist die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland.
Thema der großformatigen Gemälde von Zandile Tshabalala sind junge afrikanische Frauen in privaten, intimen Momenten: allein oder zu zweit auf dem Sofa, im Bad oder beim Musik hören. Sie nehmen stets den Dialog mit den_r Betrachter_innen auf und blicken ihn_sie meist direkt an. Ihre entspannten Posen und ihr klarer Blick verraten ein natürliches Selbstbewusstsein. Die runden, leicht abstrahierten Körperformen sowie die akzentuierten roten Lippen in Kombination mit roten Finger- und Fußnägeln stehen im Kontrast zur schwarzen Hautfarbe und strahlen so eine offenkundige Sinnlichkeit aus, ohne betont erotisiert zu wirken. Die ornamentalen Muster und klaren Farbflächen der Hintergründe — oft in hellen, sanften Farben — unterstreichen die lebensbejahende, lockere Atmosphäre der Szenerien.

Tshabalalas Figuren bieten eine neue Erzählung tradierter Muster an — wie auch die Autorin Saidiya Hartmann in ihrem Buch Wayward Live s. Beaustiful Experiments , in dem sie sich mit der Migrationsgeschichte schwarzer Frauen zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA auseinandersetzt. Die Publikation diente Tshabalala als Anregung für ihr Bildprogramm. Schwarze Frauen erscheinen bei ihr nicht als Dienerinnen wie in dem berühmten Beispiel von Édouard Manets, sondern werden zu Hauptpersonen. Die Künstlerin dreht die Situation bei Manet nonchalant um und zeigt in  Lounging 1, 2021, eine selbstbewusste schwarze Liebesgöttin ohne dienendes Bildpersonal. Damit steht die Künstlerin in der Tradition der Post Modern Blackness. Ihre Werke illustrieren nicht Leiden, Kampf oder soziale Ungerechtigkeiten, sondern zeigen das alltägliche Leben einer Black Community.

Tshabalalas prägnanter und plakativer Stil spielt immer wieder mit vertrauten Darstellungsformen, sowohl der westlichen Kunstgeschichte als auch der afro-amerikanischen Malerei. Unverkennbar sind große Anreger wie Henri Rousseau, der amerikanische Maler Kerry James Marshall oder die Multimedia-Künstlerin Kara Walker. Wie viele zeitgenössische Maler_innen nutzt Tshabalala zudem Fotovorlagen.

Die starke Präsenz ihrer Bilder besteht unter anderem darin, Stereotypen westlicher Kunstgeschichte zum einen sichtbar werden zu lassen, sie aber gleichzeitig zu unterwandern. Tshabalala schafft so eigenständige Settings mit emanzipierten, würdevollen Frauenfiguren. Sie könnten auch Stellvertreterinnen der zeitgenössischen LGBTQ-Bewegung repräsentieren.

Die Ausstellung umfasst elf großformatige Gemälde. Zur Finissage erscheint ein Katalog.