Anlässlich des 80. Geburtstages der Künstlerin zeigt das Museum gemeinsam mit der Stiftung für Konkrete Kunst und Design die jüngste Fortführung von Inge Dicks Projekt jahres licht weiss. Es dokumentiert eindrucksvoll das künstlerische Lebensthema der Österreicherin: die unerschöpfliche Vielfalt der Tageslichtfarben. Mittels experimenteller und gleichsam poetischer Fotografie wie auch mithilfe von umfangreichem Filmmaterial spürt Inge Dick dem facettenreichen Wesen des Lichts nach. Die von Dr. Gerda Ridler kuratierte Ausstellung wird anschließend im LENTOS Kunstmuseum in Linz und in der Stiftung Konzeptionelle Kunst in Soest zu sehen sein.

Ausstellung
Welche Farbe hat das Licht? Vielleicht von Weiß bis kräftiges Rotorange, aber nur bei besonders schönen Sonnenuntergängen? Inge Dick dokumentiert mit wissenschaftlicher Genauigkeit die unendliche Farbenvielfalt, die durch die optische Linse des Fotoapparats sichtbar wird. Denn die wechselnden Nuancen einer Morgensonne oder einer Abenddämmerung bleiben dem Auge oft verborgen. Inge Dicks Bilder zeigen die dramatischen Farben dieser sanften Lichtstimmungen. Für die Besucher*innen der Ausstellung wird es eine große Überraschung sein, die Schönheit des Sonnenlichts in seiner ganzen Farbenpracht zu entdecken. Die persönliche Erfahrung, dass das Licht im Winter kühler als im Sommer ist, wird durch Inge Dicks fotografische und filmische Versuchsreihen eindrucksvoll bestätigt.

Inge Dicks Schlüsselwerk jahres licht weiss, 2012?2015, besteht aus den Filmen herbst licht weiss (2012), sommer licht weiss (2013), frühlings licht weiss (2014) und winter licht weiss (2014/15). Die vier Filme machen die Licht- und Farbveränderungen der verschiedenen Jahreszeiten sichtbar. Dazu wurde die Kamera statisch auf eine weiße Fläche gerichtet. Sie zeichnete die Veränderungen der Lichtintensität und den Wandel der Lichtfarbe auf, die sich ausschließlich durch den Wechsel der Tageszeiten ergeben. Sanftes Herbstlicht und pralle Sommersonne zeigen auf dem immer gleichen weißen Hintergrund unzählige Farben – alle außer Weiß.

Aus dem Medium des Digitalfilms entsteht seit Jahren wiederum eine Vielzahl an Einzelwerken. In einem aufwendigen künstlerischen Auswahlprozess montiert Inge Dick einzelne Filmstills zu fotografischen Tableaus, bei denen sie die Aufnahmezeit penibel mitdokumentiert. Die ahnungslosen Betrachter*innen sehen sich mit einem strengen Lichtexperiment konfrontiert, das jedoch gleichzeitig höchst emotional wie die Aufnahme eines Sonnenuntergangs wirkt. In der Ingolstädter Ausstellung sind die großformatigen Streifenbilder mit Lichtfarben von jeweils zwei bis drei Tagen im Frühling, Sommer, Herbst und Winter neben einzelnen Lichtsequenzen zu sehen. Erstmalig wählt die Künstlerin aus der Farbenvielfalt einer jeden Jahreszeit einzelne Farbtöne aus und stellt sie in Form von großen monochromen Quadraten aus. So füllt sie das gesamte erste Obergeschoss mit dem Farbenspektakel der vier Jahreszeiten: So viel Licht war nie im Museum.

Raum – Licht – Zeit
Neben der Ausstellung zu Inge Dick wird zu gleicher Zeit eine weitere Position der zeitgenössischen Fotografie ausgestellt. Ebenfalls unter dem Präfix Raum – Licht – Zeit zeigt die Künstlerin Susa Templin im Museum für Konkrete Kunst ihre Spatial Abstractions. Zu Beginn der beiden Ausstellungen treffen die beiden Gedankenwelten im Erdgeschoss aufeinander. Die Arbeiten von Inge Dick und Susa Templin befragen sich gegenseitig, stellen neuartige Verbindungen her und bringen Kontraste hervor. Ab dem 24. Juli weicht der Kunstdialog im Erdgeschoss einer neuen Ausstellung.

Inge Dick (*1941) gehört zu den renommierten Vertreter*innen der Österreichischen Gegenwartskunst. Ihr Œuvre stellt eine einzigartige Position im Bereich der zeitgenössischen experimentellen Fotografie und des Films dar. Im Jahr 2018 zeigte die Tate Modern in London eine Serie von Inge Dicks mittelformatigen Polaroids im Rahmen der Themenausstellung Shape of Light. 100 Years of Photography and Abstract Art als eine der wenigen künstlerischen Positionen aus dem deutschsprachigen Raum. 2019 konnte Inge Dick den großen Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Erweiterung des Terminal 1 am Flughafen München für sich entscheiden. Im folgenden Jahr wurde sie mit dem Österreichischen Kunstpreis für Fotografie ausgezeichnet. Inge Dick lebt und arbeitet in Innerschwand am Mondsee in Oberösterreich.
Ihre Werke sind in wichtigen nationalen und internationalen Museen und Privatsammlungen vertreten, u.a. im Lenbachhaus München, Museum Ludwig Köln, Kunstmuseum Bonn, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, Museum Ritter Waldenbuch, Kulturspeicher Würzburg, Landesmuseum Linz, Lentos Kunstmuseum Linz, Guggenheim Museum New York.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: mkk-ingolstadt.de