Die Kunsthalle zu Kiel zeigt vom 2. Oktober 2021 bis zum 6. März 2022 mit rund 40 Künstlerinnen aus Europa und Nordamerika sehr umfangreich die weibliche Seite der Pop-Art. Zu sehen sind etwa 100 Werke aus Malerei, Installation, Performance, Skulptur und Film. In der Kunstgeschichte wurden Künstlerinnen der Pop-Art lange übersehen, vernachlässigt oder vergessen. Namen wie Dorothy Iannone, Kiki Kogelnik oder Evelyne Axell blieben zunächst weitgehend unbekannt, obwohl sie – wie viele weitere Vertreterinnen – diese künstlerische Bewegung nicht nur bereichert, sondern auch entscheidend mitgeprägt haben. Weiche und flexible Materialien wie Kunststoffe, grell leuchtende Farben, Alltags- und Konsumkultur – all dies inspirierte und stimulierte die Künstlerinnen zu einer PopArt, die farbgewaltig, humorvoll, politisch, herausfordernd und grenzüberschreitend ist. Amazons of Pop! lädt dazu ein, in die Welt des Pop und in eine Zeit des Aufbruchs der 1960er und beginnenden 1970er Jahre einzutauchen. Die Ausstellung ist von Hélène Guenin, Direktorin des MAMAC Nizza und der unabhängigen Autorin und Kuratorin Géraldine Gourbe konzipiert worden und ist nun in angepasster Fassung in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen. Von dort aus reist sie weiter in das Kunsthaus Graz.

Die Ausstellung Amazons of Pop! Künstlerinnen, Superheldinnen, Ikonen 1961?1973 erweitert die Auseinandersetzung mit Popkultur und Warenwelt, Politik und Gesellschaft nicht nur um feministische Aspekte, sondern integriert zudem Film, Musik und Comicfiguren. Die Ausstellung ist in drei übergeordnete Sektionen gegliedert und umfasst mit der Zeitspanne 1961-1973 eine Ära gesellschaftlicher Aufbruchsstimmung und politischer Spannungen: Proteste gegen die Rassentrennung, die Eroberung des Weltraumes mit der Mondlandung, eine erstarkende Frauenbewegung, die sexuelle Revolution, der Kalte Krieg oder die Unabhängigkeitsbewegungen in vielen Ländern der Welt. Das Spannungsfeld dieser Jahre nahmen die Künstlerinnen in ihrer Arbeit auf; es prägte ihre häufig von zukunftsfrohen Utopien und klaren politischen Haltungen gekennzeichneten Werke. Viele von ihnen sahen sich als Teil einer umfassenden Befreiungsbewegung. Diese sozialen, kulturellen und technologischen Entwicklungen der Nachkriegszeit sind in den ausgestellten Werken thematisiert. Zugleich entwerfen die Künstlerinnen alternative Frauenbilder zu den gängigen Rollenmustern, die die mediale Öffentlichkeit und damit auch die Kunst ihrer männlichen Pop-Art Kollegen dominieren. 1973 kam es mit Ereignissen wie der ersten Ölkrise zu einer Zäsur, die die greifbar geglaubte Vision einer progressiv gedachten, friedlichen und gleichberechtigten Zukunft schwer erschütterte. In die Ausstellung integrierte Einzelbiografien und eine soziopolitische Chronologie historischer Ereignisse bieten zusätzliche Hintergrundinformationen. Eine umfangreiche Publikation auf Deutsch und Englisch begleitet die Ausstellung. Künstlerinnen und weitere Protagonistinnen: Evelyne Axell, Barbarella, Brigitte Bardot, Marion Baruch, Pauline Boty, Martine Canneel, Lourdes Castro, Judy Chicago, Chryssa, France Cristini, Christa Dichgans, Jane Fonda, Ruth Francken, Ángela García, Jann Haworth, Dorothy Iannone, Jodelle, Corita Kent, Kiki Kogelnik, Kay Kurt, Nicola L., Ketty La Rocca, Milvia Maglione, Lucia Marcucci, Marie Menken, Marilyn Monroe, Isabel Oliver, Yoko Ono, Ulrike Ottinger, Emma Peel, Pravda La Survireuse, Martha Rosler, Niki de Saint Phalle, Carolee Schneemann, Marjorie Strider, Sturtevant, Walentina Tereschkowa, May Wilson,

Marjorie Strider, Girl with open mouth, 1963 Acryl auf Leinwand, 152,4 x 152,4 x 15,24 cm © Michael Chutko
02.10.2021 - 06.03.2022

Amazons of Pop! Künstlerinnen, Superheldinnen, Ikonen 1961-1973

Kunsthalle zu Kiel

Düsternbrooker Weg 1
24105 Kiel