Mit der ersten Gegenüberstellung der Werke von Joseph Beuys und Marcel duschen überhaupt werfen die Kunstmuseen Krefeld in Beuys Jubiläumsjahr einen neuen Blick auf zwei Produkte Protagonisten des 20. Jahrhunderts die beide den Begriff von Kunst radikal veränderten. Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt bei der Frage, was an Duchamp für Beuys wichtig war: Keinen anderen Künstler erwähnte er in Interviews häufiger und kein anderer schien ihn stärker herausfordern. Ausgehend von einem der letzten von Beys selbst im Museum seiner Geburtsstadt Krefeld installierten Raumensembles, entfaltet die Ausstellung mit 150 internationalen Leihgaben den Kosmos der beiden wegweisenden Künstler und ihr spannungsreiches Verhältnis zueinander.

Duchamp im Rheinland
„Das Projekt knüpft an die Geschichte der Kunstmuseum Krefeld unter aktueller Perspektive und auf Basis neuer Forschung an“, betont Direktorin Katja Baudin, „ beide Künstler sind mit unserer Institution eng verbunden. Die erste Einzelausstellung Marcel Duchamps in einem deutschen Museum fand 1965 in Haus Lange Stadt. Die Kunstmuseen Krefeld können somit als einer der Orte gelten, die zu die Chance Entdeckung in den 19 60er Jahren in Deutschland beigetragen haben.“

Duchamps wurde in dieser Zeit für eine jüngere Künstler*innengeneration in den USA und Europa zu einem Impulsgeber und Wegbereiter neuer Tendenzen. Mit seinen ab 1913 entstehenden „Readymades“ hatte er seriell vorgefertigte Alltagsgegenstände wie Flaschentrockner, Pissoir oder Kleiderhaken zu künstlerischen Objekten erhoben und damit die Kunst und ihre Rezeption auf völlig neue Grundlagen gestellt. Als Duchamps Werk 1965 nahezu abgeschlossen war, stand Beuys am Beginn seines verstärkten Wirkens der Öffentlichkeit.

Berührungspunkte, Gegensätze und Spannungen
Die legendäre Aktion von 1964 „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet“ ist eine von Beuys künstlerischer Auseinandersetzung mit der „Vaterfigur“ Duchamp. Bereits aus dem Titel spricht Beuys ambivalentes Verhältnis zu Duchamp, dem Meister der inszenierten Skepsis und ironischen Distanz. Während Duchamp sich wenig öffentlich oder gar nicht politisch äußerte, beschwor Beuys die gesellschaftsverändernde Kraft der Kunst. Neben den offensichtlichen Gegensätzen in Werk, Haltung und Persönlichkeit legt die Ausstellung den Fokus auf die Berührungspunkte in Bezug auf Motive und künstlerische Strategien. Beide begriffen Kunst als ein universales Medium. Sie bezogen Alltagsgegenstände ein, setzen sich mit Naturwissenschaft in künstlerischen Versuchsanordnungen auseinander, inszenierten die eigene Person und lösten die künstlerischen Mitteln aus konventionellen Grenzen und Vorstellungen. Sie forderten dazu auf, Alltag und Umwelt anders wahrzunehmen und dabei die Rolle der Betrachtenden neu zu definieren“, so Kuratorin Magdalena Holzhey.