Zum Jubiläum zeigt das SCHAUWERK ausgewählte Positionen der Sammlung Schaufler aus zehn Jahren Ausstellungsgeschichte.

Die Ausstellung LOVE STORIES vereint zum Jubiläum Lieblingswerke der Museumsmitarbeiter:innen aus den vergangenen zehn Jahren. In dieser Zeit ist im SCHAUWERK viel passiert: 2010 bis 2020 wurden insgesamt 25 Gruppen- und Einzelausstellungen realisiert. Gezeigt wird nun eine Auswahl von rund 30 Highlights. Insgesamt sind 23 Künstler:innen mit einer oder mehreren Arbeiten vertreten. Der Bogen spannt sich dabei von Werken, die in der Eröffnungsschau 2010 zu sehen waren, bis hin zu erst jüngst gezeigten Arbeiten, darunter Skulpturen, Malerei, Installationen und Lichtkunst. So vermittelt der Rundgang durch das Museum eine Vorstellung von der Vielfalt der Sammlung Schaufler, wenngleich nur ein relativ kleiner Ausschnitt der über 3.500 Werke ausgestellt ist.
Farbenfroh, dynamisch, aber auch meditativ geht es im ersten Ausstellungsraum zu. Die intensiv orange fluoreszierende Acrylglasskulptur Ohne Titel (Perspex Sculpture), 1997 von John M Armleder ist an verschiedenen Stellen abgeknickt und lässt an gefaltetes Papier denken. Die Transparenz des Materials ermöglicht den Blick auf den Umraum und auf weitere Kunstwerke wie die Skulptur I Saw the Figure 5 in Gold, 2005 von Andy Ouchi. Diese besteht aus einer mehrfach in sich verschachtelten Ziffer fünf aus Birkenholz, gefasst mit Blattgold und Spiegeln, und bewegt sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Farbe in unterschiedlichen Facetten und Nuancen ist zentrales Thema der meditativen vierteiligen Kissenarbeit Entretiens des Couleurs, 1999/2000 von Gotthard Graubner. Auch bei Kenneth Nolands Gemälde Sea Wise, 1969 steht das Erleben der Farbe, die Form und Inhalt zugleich ist, im Zentrum. Helen Frankenthaler verbindet in ihrem abstrakten Gemälde Ramparts, 1970 die Farbfeldmalerei mit dem abstrakten Expressionismus. Für die Arbeit Put Out More Flags, 2005 kombinierte David Salle Motive aus Softpornografie, Populärkultur und Kunstgeschichte: Eine bunte Collage aus Mustern und Einzelmotiven wurde in unterschiedlichsten Techniken auf die Leinwand gebracht. Die Grenze zwischen Figuration und Abstraktion lotet Sue Williams mit ihrem Gemälde Butt and Shelter, 1999 aus. Einen senkrechten dynamischen Riss in glänzend rotem Stanniolpapier zeigt die Arbeit Concetto spaziale, 1961 von Lucio Fontana. Der Künstler durchschlitzte für seine berühmten Schnittbilder, den monochromen Bildträger und macht den Bereich dahinter sichtbar.

Die Raumplastik 1975/39, 1975 Norbert Krickes entfaltet mit ihrer einfachen, scheinbar unprätentiösen weißen Linie eine beeindruckende Präsenz in einem Ausstellungsraum, der nur mit weißen und schwarzen Werken bestückt ist. Leicht und schwerelos wirkt die reduzierte Form und weckt den Eindruck einer in den Raum übertragenen Zeichnung. Schwarz, dynamisch und kraftvoll erscheint Heroes & Villains, 2013 von Jason Martin. Der Künstler ist bekannt für seine expressive monochrome Malerei, in der dick aufgetragene Farbe über den Bildträger getrieben wird und so eine Geste aus Linien und Rillen formuliert. Im gleichen Raum streckt Albert Einstein dem Betrachtenden frech die Zunge heraus. Dass es sich nicht um das Original handelt, ist erst beim genauen Betrachten der Schwarz-Weiß-Aufnahme zu erkennen. Vielmehr hat sich Yasumasa Morimura in der Rolle des berühmten Physikers selbst porträtiert, indem er einen bekannten Schnappschuss nachstellte.

In der dritten Etage erinnert Nam June Paiks TV Cello, 1996 an die Anfänge der Medienkunst. Es besteht aus einem Holzquader auf dem drei TV-Geräte in Acrylgehäusen angeordnet sind. Sie formen den Corpus eines Cellos, wobei die transparenten Gehäuse Technik und Funktion der Fernseher offenlegen. Russel Youngs Doppelbildnis von Hollywood-Star Marylin Monroe verströmt einen Hauch von Glamour. In die Welt des schönen Scheins entführen auch die Inszenierungen der Mode- und Luxusartikel von Sylvie Fleury. Schwarze Highheels erhalten durch eine Bronzefassung und die Positionierung auf einem Spiegelpodest den Status einer Ikone der Konsumwelt. Mit dem grün leuchtenden Neonschriftzug High Heels on the Moon, 2005 fordert die Künstlerin plakativ die Präsenz des Schuhwerks auf dem Mond. Eine glänzende Skulptur aus Edelstahl – aus Ellipsen in zahlreichen Schichten mit Vor- und Rücksprüngen – windet sich in der Mitte des Raumes in die Höhe. Tony Craggs leicht und tänzerisch wirkende Arbeit Runner, 2011/12 erinnert an organische Strukturen oder Mikroorganismen. Unmittelbar und faszinierend öffnet sich ein konkav gewölbter, mit tiefschwarzer Pigmentschicht überzogener Hohlkörper. Mother as a Ship (No. 2), 1989 des Künstlers Anish Kapoor zieht mit unglaublicher Energie magisch an. Die Dunkelheit und Leere des schwarzen Objekts lässt das unendliche Nichts erahnen und stellt Sehgewohnheiten auf den Kopf.

LOVE STORIES zeigt die Werke im neuen Dialog und ermöglicht den Besuchenden, alte Bekannte aus der Sammlung Schaufler neu zu entdecken.