Die Frage, ob es angesichts menschlichen Leids und Unheils einen gerechten und gütigen Gott geben kann, beschäftigte die Theologie und Philosophie immer wieder. Hat sie für den sich aufgeklärt gebenden Menschen des 21. Jahrhunderts überhaupt noch irgendeine Relevanz? Die Frage nach Gott fordert stets auch zur Selbstbefragung des Menschen auf, gibt Auskunft über seine Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste und Zweifel. Das versucht Michael Triegel in seiner Arbeit zu untersuchen.

In der Ausstellung Cur Deus – Warum Gott? werden Bilder der vergangenen Jahre im thematischen Kontext eigens für Rostock geschaffenen Werken gegenübergestellt. So versammeln sich im Schaudepot der Kunsthalle Rostock über 60 Arbeiten des Künstlers – Gemälde, Zeichnungen in Gouache oder Bleistift sowie Radierungen –, die die Auseinandersetzung Triegels mit dem Glauben beleuchten. Triegels Arbeitsweise entsprechend, aus ikonografischen, kunsthistorischen, literarischen und philosophischen Quellen zu schöpfen, sind den Bildern Texte beigestellt; es sind Zitate aus der Bibel, Gedichte von Paul Celan und Johann Wolfgang von Goethe, Versatzstücke aus den Werken Dostojewskis oder aus Marcel Prousts Verlorener Zeit und viele andere Textfragmente, die den Maler beschäftigt haben. Sie erschließen in Gegenüberstellung mit den Werken Triegels nochmals ganz neue Sehweisen und Interpretationsmöglichkeiten.

Die Ausstellung ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts des Instituts für Text und Kultur der Theologischen Fakultät der Universität Rostock, der St.-Johannis-Kantorei und der Kunsthalle Rostock.


Biografie Michael Triegels
Michael Triegel wurde 1968 in Erfurt geboren und studierte von 1990 bis 1997 Malerei an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Rink und Ulrich Hachulla. Internationale Bekanntheit erlangte Triegel 2010, als er den Auftrag erhielt, Papst Benedikt XVI. zu porträtieren. Zuvor waren bereits einige kirchliche Aufträge von ihm ausgeführt worden, so z.B. zwei großformatige Altarbilder für die Kirchen in Grave und Ebern und ein Deckengemälde für die Dommusik Würzburg. Es folgte 2011 der dritte Altar für die Kirche St. Augustinus in Dettelbach sowie 2015 die Ausgestaltung zweier Kirchenfenster für die Pfarrkirche St. Marien in Köthen. 2017 wurde sein Andachtsbild Barmherziger Jesus in der Kirche St. Peter und Paul in Würzburg eingeweiht. 2018 folgte das Hochaltarbild „Menschwerdung“ für die Kirche St. Oswald in Baunach.

Michael Triegel gilt neben Neo Rauch als wichtigster Vertreter der Neuen Leipziger Schule.