Sind Spechte die Bildhauer unter den Vögeln?
Die Künstlerin Elisabeth Wagner, Professorin an der Muthesius Kunsthochschule Kiel, nimmt im Frühjahr 2021 mit ihrer Bildhauereiklasse Kurs auf den Hamburger Jenischpark und klopft beim Ernst Barlach Haus an. Mehr als zwanzig junge Künstlerinnen und Künstler präsentieren neue, teils eigens für diesen Ort geschaffene Einzel- und Gruppenarbeiten.
Zwischen Aquarellmalerei und Zementskulptur, Audiotapes und Windschutzscheiben steckt der Parcours ein weites Feld heutiger Bildhauerei ab: ideenreich, überraschend und gewitzt, materialbetont und mit Sinn für Übersinnliches – Kontaktaufnahmen mit Barlach nicht ausgeschlossen!
Seinen Anfang nahm das Projekt Spechte am Meisenknödel als Beitrag zu einem Jubiläumsprogramm im Jahr 2020: Zum 150. Geburtstag seines »Hauskünstlers« wünschte sich das Ernst Barlach Haus einen doppelt frischen Blick auf den expressionistischen Altmeister und die Institution »Künstlermuseum«. Studierende der Kunstgeschichte an der Universität Hamburg sollten die Barlach-Schau »Werden, das ist die Losung!« kuratieren,Studierende der Bildhauerei an der Muthesius Kunsthochschule Kiel das Museum wenige Monate später mit eigenen Werken bespielen. Während »Werden, das ist die Losung!« bis März 2020 mit großem Erfolg gezeigt werden konnte, brachte Corona eine Zwangspause für die Spechte. Nun gehen sie voller Elan an den Start. Dabei ist der bereits 2019 gewählte Ausstellungstitel Spechte am Meisenknödel nicht nur in seiner witzig paradoxen Zusammenführung verschiedener Sphären und seinem Gestus beherzter Vereinnahmung Programm, sondern auch in seiner (durch Corona gesteigerten) Dringlichkeit: Es geht um den Hunger nach Kultur, um Kunst als Lebensmittel und Energiequelle. 
Experimentierfreude im Umgang mit Material und Raum, neugieriges Suchen und freudiges Finden setzen den Grundton der Spechte-Schau. Das Umfeld dafür ist aufgeladen. 

Dank seiner präzise in den Jenischpark komponierten Bungalow-Architektur von Werner Kallmorgen ist das Ernst Barlach Haus selbst schon ein Objekt mit starken skulpturalen Qualitäten, in dem sich Entschiedenheit im bildhauerischen Denken und Machen auszahlt. Und mit dem »Hauskünstler« Ernst Barlach, einem der bedeutenden Bildhauer des vorigen Jahrhunderts, steht ein gewichtiger Sparringspartner im Ring und verweist auf den weiten Echoraum künstlerischer Traditionen und kunsthistorischer Bezüge, in dem sich junge Kunst heute positionieren muss.

Werke von:
Gamze Arslan, Nora Berndt, Leandra Bigale, Melina Bigale, Hannah Bohnen, Côme Ferrasse, Lisa Friedrichs-Dachale, Nikolai Renée Goldmann, Ana Gomez, Nikola Hausen, Max Holzer, Annemarie Jessen, Lisa Karnauke, Benedikt Lübcke, Sanna Maier, Lilian Nachtigall, Anne Nitzpan, Fidelia Schäftlein, Sander Schaper, Constantin Schröder, Oskar Schroeder, Regine Schulz, Larah Stieper, Alina Studt, Elisabeth Wagner und Marissa Wittenhagen.