KARIN SANDER hat über die letzten vier Jahrzehnte einen ganz eigenen künstlerischen Standpunkt in der Tradition des Postminimalismus entwickelt. Sie bricht die rigide Haltung der Konzeptkunst der 1960er Jahre auf und erweitert diese um sensuell prozesshaft-partizipatorische Ansätze.

Mit seismografischem Gespür reagiert sie auf alltägliche, architektonische, institutionelle oder gesellschaftliche Gegebenheiten und verändert diese mit subtilen Eingriffen. So poliert sie zum Beispiel Bilder in die Wand hinein, indem sie die Quadratur der konventionellen Platzierung an der Wand zu einem Spiegel der Umgebung macht. Oder sie bricht die Symbolik der Darstellung eines Objekts im musealen Raum, wie beispielsweise mit der Serie der KITCHEN PIECES, bei der anstelle des Vanitas Stilllebens die anwesende Frucht vor unseren Augen vergeht. Immer entfalten ihre Werke, die formal die Strenge des Minimalismus atmen, auch eine unerwartete Poesie. An die Prämisse der MINIMAL ART anknüpfend, kommt der Wahrnehmung der Betrachtenden eine große Rolle zu. Indem wir ihre Arbeiten nicht nur zu Ende denken, sondern auf diese mit allen Sinnen reagieren, realisiert Karin Sander nicht zuletzt die Utopie der MINIMAL ART, unsere Wahrnehmung zu erweitern. Ausstellungen von Karin Sander wurden unter anderem im Museum of Modern Art in New York sowie San Francisco, im Whitney Museum in New York oder im National Museum of Art Osaka gezeigt und ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet.

Für die Ausstellung der Kunsthalle Tübingen wird die Künstlerin neben skulpturalen Selbstporträts und Gebrauchsbildern, die Spuren eines bestimmten Ortes fixieren, erstmals fast vollständig die rund 1500 Zeichnungen umfassende Werkreihe OFFICE WORKS / BÜROARBEITEN präsentieren. Die Serie hat ihren Ursprung zu Beginn der 1990er Jahre. Damals begann Karin Sander mit den Dingen und Materialien auf Papier zu arbeiten, die sie auf ihrem Schreibtisch und in ihrem Büro vorfand: Büroklammern, Hefter, Labels, Aufkleber. Die mit intuitivem Gespür und Witz arrangierten Strichzeichnungen, Locherpunkte und Heftklammersetzungen sind streng und poetisch zugleich und inspirieren uns, Magie und Schönheit auch im Alltäglichen zu entdecken.